Religion & Glaube in Ägypten


Ägypten ist als das Land der Pyramiden und der Pharaonen in der ganzen Welt berühmt. Aber der Staat im Nordosten Afrikas ist ebenso das Land der Gläubigen. Es gibt kaum ein anderes Land, in dem eine so große Vielfalt an Religionen im Lauf der Geschichte vertreten war.

Ägyptische Mythologie

Die ägyptische Mythologie mit polytheistischer Prägung hatte fast 3.000 Jahre lang Bestand. Mythologie, Religion und Astronomie bildeten eine Einheit. Ein einheitlicher Schöpfungsmythos existierte im alten Ägypten nicht, die bedeutenden Kultzentren Heliopolis, Hermopolis Magna und Memphis entwickelten verschiedene Theogonien und Kosmogonien.

Horus
Statue des ägyptischen Gottes Horus

Heliopolis war das Zentrum des Sonnenkults und sah den Gott Atum als Schöpfer der Welt an. Der „Selbstenstandene“ entstieg der Urflut und schuf mit seiner Schöpferkraft das erste Land. Zusammen mit seinen Nachkommen bildete Atum die Neunheit von Heliopolis. Zu diesen gehören auch der Toten- und spätere Fruchtbarkeitsgott Osiris, die mütterliche Göttin Isis sowie das Paar Seth und Nephthys, die in der ägyptischen Mythologie das fruchtbare Nilschwemmland und die umgebende Wüste repräsentieren.

Der Schöpfungsmythos von Hermopolis Magna beruht auf der Annahme von acht Urgöttern. Diese bestanden aus vier Paaren, Nun und Nauntet repräsentierten das Urgewässer, Heh und Hauhet die Endlosigkeit des Raums, Kuk und Kauket die Urfinsternis. Das vierte Paar hat im Lauf der Zeit mehrfach gewechselt, ab dem 15. Jahrhundert vor Christus hatten Amun und Amaunet als Symbol der Luft diesen Platz inne. Diese Götter galten als Eltern des Sonnengottes, der das Licht in die Welt brachte und damit den Grundstein für alle weiteren Schöpfungen legte.

Bei der memphitischen Theologie stand der Stadtgott Ptah im Mittelpunkt des Schöpfungsmythos. Sie stellt die früheste bekannte Theologie dar, bei der die Schöpfung auf dem Prinzip des logos, der Schöpfung durch das Wort, beruht. Die Mythologie berichtet, dass Ptah den Sonnengott durch seine Zunge und sein Herz geschaffen habe.

Götterkulte im alten Ägypten

Totenmaske des Tutenchamun
Totenmaske des Tutenchamun

Durch den Kult gewann die Religion im alten Ägypten auch eine politische Bedeutung. Durch die Ausübung des Götterkults präsentierten sich die Herrscher als Mittler zu den Göttern. Im Prinzip stellte der Kult in Ägypten kein Handeln der Menschen wegen oder für die Götter dar, vielmehr galt er dem Handeln der Götter untereinander. Deshalb war der König, der als irdische Manifestation des Gottes Horus angesehen wurde, der einzige, der den Kult ausüben konnte. Zu den wichtigsten Kulten gehörten der Götterkult in den Tempeln der verschiedenen Gottheiten sowie der Totenkult.

Monotheistische Religionen in Ägypten

In Ägypten sind die drei großen monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam staatlich anerkannt. Neben Anhängern dieser Religionen gibt es in Ägypten außerdem eine große Vielzahl kleinerer Religionsgemeinschaften. Zu diesen gehören beispielsweise das Bahaitum und das Mormonentum.

Das Judentum in Ägypten

Schon in der Antike gab es in Ägypten jüdische Gemeinden. Da die Juden im Laufe der Geschichte jedoch immer wieder verfolgt, ausgewiesen oder vertrieben wurden, leben heute kaum noch Menschen jüdischen Glaubens in Ägypten. Zumindest sind sie seit dem Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel, der im Jahr 1979 geschlossen wurde, bei der Ausübung ihrer Religionsfreiheit offiziell nicht mehr eingeschränkt.

Muslime in Ägypten

Moschee in Ägypten
Moschee in Ägypten

Ungefähr 90% der Ägypter bekennen sich zum sunnitischen Islam, Schiiten und Ahmadis spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die ägyptische Gesellschaft unterliegt einer fortschreitenden Islamisierung, was besonders an den immer häufiger zu sehenden verschleierten Frauen erkenntlich wird. In den 1990er Jahren war die Mehrheit der Frauen noch ohne Schleier unterwegs. Es ist von Seiten der Regierung nicht erlaubt, vom Islam zu einer anderen Religion zu konvertieren.

Das Christentum in Ägypten

Schon seit dem 1. Jahrhundert nach Christus war das Christentum in Ägypten präsent. Damit gehören die christlichen Kirchen Ägyptens zu den ältesten christlichen Kirchen weltweit. Bis in das 7. Jahrhundert hinein war das Christentum die dominierende Religion des Landes, dann setzte die Expansion des Islams ein. Die Angaben über den christlichen Bevölkerungsanteil in Ägypten schwanken stark und liegen zwischen 6 bis 15%. Die ägyptischen Christen, vor allem die Kopten, erfahren zunehmende Diskriminierung und werden ihres Glaubens wegen verfolgt.

Konfliktherd Religionen

Katharinenkloste
Katharinenkloster am Mosesberg auf der Sinai-Halbinsel
Durch die wenig tolerante Glaubenspolitik des ägyptischen Staates kommt es immer wieder zu Konflikten und Akten der Gewalt gegen religiöse Minderheiten. Dabei hat eine jede Religion in der Geschichte ihre Berechtigung. Schließlich war es auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten, wo Moses dem Mythos nach die 10 Gebote von Gott erhielt. Aus diesem Grund kam es auch am 10. Mai 2011 zu einer Demonstration in Kairo, bei der die Teilnehmer gegen die zunehmende Gewalt und für eine strengere Überwachung der Salafisten plädierten. Internationale Menschenrechtsorganisationen nach sei es allerdings schwierig, Behauptungen über Entführungen, Zwangskonvertierungen und -heiraten zu überprüfen, so dass in naher Zukunft nicht mit einer endgültigen Lösung des Konflikts zu rechnen ist. Wie bereits im alten Ägypten sind auch heute noch Religion und Politik eng miteinander verknüpft.