Ägypten ist wieder online

Autor: Martina Hilberts - Veröffentlicht am 9. Februar 2011

Am Dienstag wurde der Internet-Aktivist Wael Ghonim aus seiner 12 Tage andauernden Haft entlassen und Hunderttausende feierten dies auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

 

Ghonim hatte die Facebook-Gruppe “Wir sind alle Khalid Said” gegründet, welche seit Beginn der Proteste am 25. Januar eine große Rolle bei der Organisation der Proteste spielte. Facebook spielt in Ägypten eine größere Rolle als jede ägyptische – allerdings von der Regierung gesteuerten – Tageszeitung. Mit mehr als 3,5 Millionen Usern in Ägypten hat das soziale Netzwerk Facebook mehr Mitglieder als in jedem anderen arabischen Land. Und so hat die Protest-Bewegung auch vielleicht schon eine Führungsfigur in Ghonim gefunden. Er plädiert nach seiner Freilassung weiterhin für die Absetzung des Regimes.

Die Regierung ist sich durchaus bewusst über den Einfluss, den die modernen Medien auf die Protest-Bewegung haben: Zeitweise war Ägypten das Internet abgestellt worden, in der Hoffnung, die Oppositionsbewegung zu schwächen.

Die Regierungsopposition besteht indes immernoch auf den sofortigen Rücktritt Mubaraks. Vize-Präsident Sulaiman äußerte dazu, dass weder ein Ende des Regimes noch ein sofortiger Rücktritt Mubaraks in Frage komme. Weiter droht er, dass ein Militär-Putsch anstehe, sollte kein Dialog mit der Opposition über einen geordneten Machtwechsel zu Stande kommen: “Wir wollen einen hastigen und irrationalen Putsch verhindern.”

Die Opposition ihrerseits ist fleißig: Es wurde bei Facebook einen neue Gruppe gegründet, namens “Ich beauftrage Wael Ghonim damit, für die ägyptischen Rebellen zu sprechen.” Und auch diese Gruppe wird überrannt: Es sind bereits über 200000 Mitgleider beigetreten. Es gilt das Motto: “Freiheit ist ein Segen, für den es sich zu kämpfen lohnt.”