Stadturlaub in Kairo

Autor: Harald von Thierse - Veröffentlicht am 7. September 2016

Die ägyptische Hauptstadt ist einen Städtetrip mehr als wert: Zwischen vielfältigen Facetten von Geschichte und Moderne kommt jeder Besucher auf seine Kosten.

Stadtteile

KairoKairo ist eine ausgedehnte Millionenstadt, die sich auch während eines langen Urlaubs nur schwer komplett erkunden lässt. Wer einen kurzen Städtetrip nach Kairo unternehmen will, sollte sich von der Größe aber nicht schrecken lassen, denn die wichtigen Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich auf einige wenige Viertel.

Herzteil ist die Innenstadt am östlichen Nilufer. Hier liegt zunächst das eigentliche Stadtzentrum, Wasat-el-Balad genannt; hier liegen auch zahlreiche Unterkünfte in allen Preisklassen vom Backpacker-Hostel bis zum Luxushotel. Östlich und südöstlich schließt sich die Islamische Altstadt an, weiter südlich Alt-Kairo, die historische Altstadt (Masr-al-Qadima), die seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Eine Besonderheit dürfte die sogenannte »Stadt der Toten« sein: Die Friedhofsbezirke am Ostrand von Kairo sind nämlich überraschend lebendig. Wohnraummangel zwang im Lauf des 20. Jahrhunderts immer mehr Menschen, auch historische Friedhofsareale zu besiedeln – somit ist die »Stadt der Toten« heute ein einzigartiges Ensemble gewöhnlicher Wohnhäuser und eindrucksvoller Mausoleen.

Sehenswürdigkeiten abseits der Pyramiden

Kairo wartet auch abseits der Klassiker mit einigen touristischen Höhepunkten auf. So sollte man unbedingt der ein oder anderen Moschee einen Besuch abstatten. Die Ibn-Tulun-Moschee aus dem 9. Jahrhundert beispielsweise ist die älteste erhaltene Moschee Kairos und gerade in ihrer schlichten Lehmziegelbauweise reizvoll. Pompöser geht es da in der Sultan-Hassan-Moschee zu. Nach ihrer Erbauung im 14. Jahrhundert war sie die größte Moschee der Welt, auch heute weiß die Anlage auf knapp achttausend Quadratmetern zu beeindrucken. Neben vier islamischen Schulen – Madrasas – gehören zum Komplex die eigentliche Moschee und ein eindrucksvolles Mausoleum.

Doch gibt es in Kairo längst nicht nur Moscheen zu entdecken. Aus dem 4. Jahrhundert stammt die sogenannte »Hängende Kirche« (al-Mu’allaqa): Sie heißt so, weil sie auf den Fundamenten einer römischen Garnisonsfestung errichtet wurde und damit erhöht steht, also »hängt«. Sehenswert in der koptischen Kirche sind die zahlreichen Ikonen.

In die Vergangenheit zurückversetzt fühlt man sich auf dem Platz Bayn al-Qasrayn, im Mittelalter Kairos pulsierendes Herz, noch heute geprägt von den reichverzierten Fassaden der Mamelukkenpaläste aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Tolle Museen und viel Kultur

Zahlreiche Museen geben Kunde von Kairos langer Geschichte. Im Museum für Islamische Kunst sind Fundstücke aus vielen Jahrhunderten ausgestellt, das Koptische Museum dokumentiert mit kunstvollen Textilien und geschnitztem Elfenbein die Geschichte der koptischen Gemeinde Kairos.

Moderne Kunst wiederum ist im Museum für Moderne Kunst auf dem Gelände des Opernhauses zu sehen – und am Westufer des Nils beherbergt das Mahmoud-Khalil-Museum auch Werke europäischer Künstler wie van Gogh, Gauguin oder Rubens.

Pompöse Events und Feierlichkeiten

Kairos Kalender ist reich an kulturellen Veranstaltungen aller Art, doch einen folkloristischen Höhepunkt dürfte das Waafa Al-Nil im September darstellen. In Pharaonenzeiten eine rituell geprägte Feierlichkeit zu Ehren des lebensspendenden Nils, wird das Festival heute mit Konzerten und Lesungen begangen.

Ein Festmahl für Cineasten hingegen ist das jährlich im November anberaumte Cairo International Film Festival, das Filmproduktionen aus aller Welt zeigt und auch einen Preis vergibt: natürlich die Goldene Pyramide.