Kom Ombo


Etwa 40 Kilometer nördlich von Assuan liegt am Ostufer des Nil das Doppelheiligtum von Kom Ombo. Der Tempel entstand zur Ptolemäerzeit (332 v. Chr. bis 30 v. Chr.), und war damals ein wichtiges Verwaltungszentrum. Er gehört zu den schönsten Sakralbauten aus der ptolemäisch-römischen Epoche Ägyptens.

Besonderheiten der Tempelanlage

Anders als die meisten altägyptischen Heiligtümer war der Tempel von Kom Ombo zwei Gottheiten geweiht, nämlich dem krokodilgestaltigen Gott Sobek, der als Herrscher über das Wasser und die Fruchtbarkeit verehrt wurde, und dem falkenköpfigen Gott Haroeris, einer Erscheinungsform des Gottes Horus.

Dieser ptolemäische Doppeltempel zeichnet sich durch einige interessante architektonische Besonderheiten aus. In den Räumen jeder der beiden symmetrischen Hälften wurde jeweils eine Gottheit verehrt. Rechts huldigte man dem Sobek, links dem Haroeris. Uns so gibt es hier auch zwei Kernbauten, zwei Brunnen und einen Doppelgang. Auch wenn von dem alten Eingang heute nur noch spärliche Überreste zu erkennen sind, so deutet doch vieles darauf hin, dass es sich um ein Doppelportal handelte, durch das man in den Hof mit dem Altar gelangte.

Ein Blick in die Anlage

Das Tempelhaus wird von einer Vorhalle mit zwölf Meter hohen Säulen eingeleitet. Daran anschließend liegt der Säulensaal mit zwei mal fünf Papyrusbündelsäulen.

Die Durchgänge verlaufen nicht exakt durch die Mitte des Bauwerks, sondern symmetrisch neben der Mittelachse. Der Säulensaal mündet in einen weiteren Saal und drei Vorsäle, an die sich die beiden Sanktuare anschließen. Umgeben war der gesamte Tempelkomplex von einer Mauer von ca. 60 x 96 Metern.

Auf dem Gelände der Tempelanlage von Kom Ombo befindet sich ein Becken, in dem zur Ptolemäerzeit wahrscheinlich Krokodile gehalten wurden. Krokodile galten als irdische Verkörperung des Gottes Sobek und waren daher heilige Tiere. In diesem Becken wird man heute zwar vergeblich nach ihnen suchen, doch in der unvollendet gebliebenen Hathor-Kapelle im südlichen Bereich des Tempels kann man beim Anblick von Krokodilmumien ermessen, welche Verehrung diesen Tieren im Alten Ägypten entgegengebracht wurde.

Der Instrumentenschrank

Es lohnt auch, einen Blick auf den sogenannten „Instrumentenschrank“ zu werfen. Dabei handelt es sich um ein Wandrelief, das die Vermutung nahelegt, dass es sich um die Abbildung eines Instrumentenschranks für Ärzte handelt. Eines der dargestellten Instrumente könnte ein Hinweis darauf sein, dass bereits im Alten Ägypten medizinisch indizierte Schädelöffnungen vorgenommen wurden.

Das Nilometer

Über jeden Zweifel erhaben ist jedoch der Verwendungszweck des Nilometers im Tempel von Kom Ombo. Hierbei handelt es sich um einen Brunnen mit Messlatte, an deren Markierungen die Priester den Wasserstand des Nils ablasen. Der praktische Nutzen war enorm, denn je höher der Wasserstand war, desto höher die Fruchtbarkeit der Felder und die daraus resultierenden steuerlichen Abgaben.

Standort Kom Ombo