Mittelmeer

Von der Aegypten.de-Redaktion Aktualisiert: Juni 2026 9 Min. Lesezeit
Mittelmeer

Ägyptens Norden grenzt an das Mittelmeer: An der rund 1.000 Kilometer langen Küste reihen sich die Weltstadt Alexandria, türkisblaue Strände der Nordküste, das geschichtsträchtige El Alamein und stille Hafenstädte wie Rosetta. Mit milderem Klima, feinem Sand und kühlerem Wasser ist die Mittelmeerküste vor allem ein sommerliches Badeziel – und eine spannende Alternative zum ganzjährig warmen Roten Meer.

Während der Großteil Ägyptens von Wüste und dem Roten Meer geprägt ist, hat das Land im Norden eine ganz andere Seite: eine lange, vielfältige Mittelmeerküste. Hier ist das Klima milder, im Winter fällt sogar Regen, und die Landschaft wirkt grüner und europäischer. Die Küste war schon in der Antike das Tor Ägyptens zur Welt – Alexandria war einst Zentrum der griechisch-römischen Kultur. Heute ist die Mittelmeerküste vor allem bei Ägyptern selbst ein beliebtes Sommerziel. Dieser Überblick stellt die Höhepunkte vor, vom quirligen Alexandria über die Badeorte bis zu den Schauplätzen der Geschichte.

Was macht Alexandria aus?

Alexandria ist die zweitgrößte Stadt Ägyptens und das pulsierende Herz der Mittelmeerküste. Von Alexander dem Großen gegründet, war sie in der Antike ein Zentrum von Wissenschaft und Kultur – mit dem legendären Leuchtturm (einem der Sieben Weltwunder) und der berühmten Bibliothek. Heute prägen die weite Strandpromenade (Corniche), die moderne Bibliotheca Alexandrina, die Qaitbay-Zitadelle auf den Fundamenten des einstigen Leuchtturms, die Pompejussäule und die Katakomben das Bild. Die Stadt hat ein mediterranes, weltoffenes Flair, das sich deutlich vom übrigen Ägypten unterscheidet. Mehr dazu auf unserer Seite zu Alexandria.

Wo liegen die schönsten Strände?

Die feinsten Strände erstrecken sich entlang der Nordküste (auf Arabisch „Sahel“), die sich westlich von Alexandria bis nach Marsa Matruh zieht. Türkisfarbenes, klares Wasser und strahlend weißer Sand machen Orte wie Sidi Abdel Rahman, die Marina-Resorts und das neu entstehende New Alamein zu beliebten Sommerzielen – vor allem für wohlhabende Ägypter, die hier Zweitwohnungen besitzen. Weiter westlich liegt Marsa Matruh mit malerischen Buchten wie dem Agiba-Strand und dem „Bad der Kleopatra“. Die Nordküste ist im Sommer lebhaft und gut ausgebaut, außerhalb der Saison aber sehr ruhig.

Was geschah in El Alamein?

El Alamein an der Nordküste wurde im Zweiten Weltkrieg weltberühmt: Hier fanden 1942 entscheidende Schlachten zwischen den Alliierten und den Achsenmächten statt, die als Wendepunkt des Afrikafeldzugs gelten. Heute erinnern mehrere Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten – ein Commonwealth-Friedhof, ein deutsches und ein italienisches Mahnmal – sowie ein Kriegsmuseum an die Gefallenen. Der Ort ist ein Ziel für Geschichtsinteressierte und Angehörige. In unmittelbarer Nähe entsteht mit New Alamein zugleich eine moderne Planstadt mit Stränden und Hochhäusern – ein eindrucksvoller Kontrast aus Geschichte und Gegenwart.

Welche Rolle spielt Rosetta?

Die Hafenstadt Rosetta (arabisch Raschid) östlich von Alexandria ist eng mit der Ägyptologie verbunden: Hier wurde 1799 der Stein von Rosetta gefunden, dessen dreisprachige Inschrift die Entzifferung der Hieroglyphen ermöglichte. Die Stadt selbst ist ein stilles Kleinod mit gut erhaltenen osmanischen Kaufmannshäusern aus Backstein und einer Lage am westlichen Mündungsarm des Nils. Rosetta wird von Touristen kaum besucht und bietet daher einen authentischen Einblick in die Geschichte des Nildeltas. Zusammen mit Damiette am östlichen Mündungsarm markiert sie das fruchtbare Ende des Nils am Mittelmeer.

Wie unterscheidet sich das Mittelmeer vom Roten Meer?

Beide Küsten haben einen ganz eigenen Charakter. Das Mittelmeer ist im Sommer ein angenehmes Badeziel mit kühlerem, weniger salzigem Wasser, langen Sandstränden und mediterranem Klima – im Winter wird es kühl und regnerisch, die Saison ist also klar auf den Sommer beschränkt. Das Rote Meer dagegen lockt ganzjährig mit warmem Wasser, spektakulären Korallenriffen und Weltklasse-Tauchrevieren. Das Mittelmeer ist eher von einheimischem Tourismus geprägt, das Rote Meer von internationalen Pauschalurlaubern. Wer Korallen und Wassersport sucht, fährt ans Rote Meer; wer Geschichte, Stadtleben und sommerliche Strände möchte, ans Mittelmeer.

Wie ist das Klima an der Mittelmeerküste?

Die Mittelmeerküste hat das mildeste und feuchteste Klima Ägyptens. Die Sommer sind warm, aber dank der Meeresbrise weniger drückend als im Landesinneren; die Winter sind mild und bringen – anders als im Rest des Landes – nennenswerte Niederschläge, vor allem in Alexandria. Dadurch ist die Region grüner als der übrige Wüstenstaat. Die ideale Badezeit reicht von Mai bis Oktober, während Alexandria als Stadt ganzjährig einen Besuch wert ist. Im Winter kann es an der Küste sogar zu Stürmen kommen. Insgesamt erinnert das Klima eher an Südeuropa als an das heiße, trockene Oberägypten.

Was kann man an der Mittelmeerküste unternehmen?

Das Angebot ist abwechslungsreich: Baden und Strandurlaub an der Nordküste, Sightseeing in Alexandria mit Bibliothek, Zitadelle und Katakomben, Geschichtstouren nach El Alamein und Rosetta sowie Ausflüge in die nahe Oase Siwa, die über Marsa Matruh erreichbar ist. Dazu kommen die berühmte Küche Alexandrias mit fangfrischem Fisch und Meeresfrüchten, entspannte Spaziergänge auf der Corniche und das lebhafte Großstadtleben. Wer eine Nilkreuzfahrt oder einen Badeurlaub am Roten Meer plant, kann einen Abstecher ans Mittelmeer gut als kulturellen Kontrast einbauen.

Wie kommt man an die Mittelmeerküste?

Alexandria ist von Kairo aus bequem per Zug (rund zweieinhalb Stunden), Bus oder Auto erreichbar und besitzt zudem einen eigenen Flughafen. Entlang der Nordküste verkehren Busse und Sammeltaxis; für die ausgedehnten Resorts und entlegenere Strände ist ein Mietwagen oder Fahrer praktisch. Marsa Matruh hat einen Flughafen, der vor allem im Sommer angeflogen wird, und ist Ausgangspunkt für die Weiterfahrt nach Siwa. Wer mehrere Orte verbinden will, plant am besten eine Route entlang der Küstenstraße. Einen Überblick zu Lage und Regionen bietet unsere Seite zur Geografie Ägyptens.

Für wen lohnt sich die Mittelmeerküste?

Besonders lohnend ist die Region für Kultur- und Städtereisende, die Alexandria und die Geschichte des Nildeltas erleben möchten, sowie für Sommerurlauber, die feine Sandstrände und mediterranes Flair suchen. Wer das ursprüngliche, von Einheimischen geprägte Ägypten kennenlernen will, findet hier abseits der internationalen Badeorte viel Authentizität. Weniger geeignet ist die Küste für Taucher und Schnorchler – dafür ist das Rote Meer die erste Wahl – und für Winterurlauber, die Sonne und Baden suchen. In Kombination mit den klassischen Zielen ergibt das Mittelmeer aber eine reizvolle, ganz andere Facette Ägyptens.

Welche Geschichte prägt die Mittelmeerküste?

Die Küste war über Jahrtausende Ägyptens Fenster zur Mittelmeerwelt. Schon vor Alexandria gab es mit Naukratis eine bedeutende griechische Handelskolonie im Delta. Mit der Gründung Alexandrias durch Alexander den Großen 331 v. Chr. wurde die Region zum Zentrum der hellenistischen Welt – Sitz der Ptolemäer-Dynastie bis zu Kleopatra, mit Leuchtturm und Bibliothek als Symbolen antiker Größe. Später blühte hier das frühe Christentum: Bei Alexandria liegt die Pilgerstätte Abu Mena, heute UNESCO-Welterbe. Über die islamische Zeit, die osmanische Epoche (Rosetta) bis zu den Weltkriegsschlachten von El Alamein zieht sich eine außergewöhnlich dichte Geschichte – die Mittelmeerküste ist damit eine der geschichtsträchtigsten Regionen des Landes.

Was bietet die Küste kulinarisch?

Die Mittelmeerküste, allen voran Alexandria, ist berühmt für ihre Fisch- und Meeresfrüchteküche. In den Hafenrestaurants wählt man den Fang des Tages oft frisch an der Theke aus und lässt ihn gegrillt oder gebacken zubereiten. Spezialitäten sind Sayadeya (Fisch mit würzigem Reis), gegrillte Garnelen, Tintenfisch und Meeräsche. Dazu kommen mediterrane Einflüsse aus der griechischen und levantinischen Tradition, die Alexandrias Küche von der des Niltals abheben. Die lebhaften Fischmärkte und die Cafés entlang der Corniche gehören für viele zum schönsten Teil eines Küstenbesuchs – ein Genuss, der die mediterrane Seite Ägyptens unterstreicht.

Wie steht es um Natur und Landschaft?

Im Vergleich zum Wüstenstaat wirkt die Küste auffallend grün. Dank der Winterregen gedeihen hier mediterrane Pflanzen, Feigen-, Oliven- und Obstgärten sowie an der Westküste ausgedehnte Felder. Vorgelagerte Lagunen und der Mariout-See bei Alexandria sind wichtige Rastplätze für Zugvögel zwischen Europa und Afrika. Naturschönheiten wie die unberührte Bucht von Ras el-Hekma oder die Klippen und Buchten rund um Marsa Matruh zählen zu den landschaftlichen Höhepunkten. Allerdings setzen die rasante Bautätigkeit an der Nordküste und die Verschmutzung der Lagunen die empfindlichen Ökosysteme zunehmend unter Druck – Naturschutz ist auch hier ein wichtiges Thema.

Häufige Fragen zur Mittelmeerküste Ägyptens

Kann man am ägyptischen Mittelmeer baden?

Ja, vor allem von Mai bis Oktober. Die Nordküste und Marsa Matruh bieten feine Sandstrände und klares Wasser. Im Winter ist es zum Baden zu kühl, Alexandria lohnt aber ganzjährig als Stadt.

Ist Alexandria einen Besuch wert?

Unbedingt. Die Stadt verbindet antikes Erbe (Bibliotheca Alexandrina, Qaitbay-Zitadelle, Katakomben) mit mediterranem Flair und exzellenter Fischküche – ein spannender Kontrast zum übrigen Ägypten.

Was ist der Unterschied zum Roten Meer?

Das Mittelmeer ist ein sommerliches Badeziel mit kühlerem Wasser und viel Geschichte; das Rote Meer lockt ganzjährig mit warmem Wasser, Korallenriffen und Tauchen. Das Mittelmeer ist stärker von einheimischem Tourismus geprägt.

Wie kommt man von Kairo nach Alexandria?

Am einfachsten per Zug in rund zweieinhalb Stunden, alternativ mit Bus oder Auto. Alexandria hat zudem einen Flughafen. Die Nordküste erreicht man am besten mit Auto oder Fahrer.

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