Kurz erklärt: Die Bahariya-Oase liegt in der Westlichen Wüste, rund 360 Kilometer südwestlich von Kairo, und ist der übliche Ausgangspunkt zur Weißen Wüste. Hauptort ist Bawiti. Bekannt ist die Oase durch das Tal der Goldenen Mumien: 1996 stürzte ein Esel eines Wächters der Antikenverwaltung in ein Loch und legte eine Grabanlage frei. Die Mumien gehören in die griechisch-römische Zeit. Dazu kommen der Tempel Alexanders des Großen, Gräber der 26. Dynastie und die Schwarze Wüste.
Wo liegt die Bahariya-Oase und was erwartet Besucher?
Die Bahariya-Oase liegt in der Westlichen Wüste, rund 360 Kilometer südwestlich von Kairo. Verwaltet wird sie vom Gouvernement Giza und der dortigen Antikenverwaltung. Die Oase besteht aus vielen Dörfern; Bawiti ist das größte und zugleich der Verwaltungssitz. Bahariya ist der üblichste Ausgangspunkt für Fahrten in die Weiße Wüste, die weiter südwestlich in der Farafra-Senke liegt. Die Seite Weiße Wüste beschreibt diese Strecke.
Bahariya hat eine eigene Geschichte, die mehr ist als eine Zwischenstation. Menschen leben hier seit der Altsteinzeit. In griechisch-römischer Zeit war die Oase wegen ihres ganzjährig bebaubaren Ackerlandes ein Ort des Weinbaus: Man erzeugte Wein aus Datteln und Trauben, der entlang des Niltals gehandelt wurde. Bei Grabungen fand man in der Nähe des Tals der Goldenen Mumien eine Weinkelterei. Aus dieser wohlhabenden Zeit stammen die Gräber, die Bahariya berühmt machten. Eine Übersicht über alle Oasen der Libyschen Wüste bietet die Seite Oasen.
Wie wurde das Tal der Goldenen Mumien entdeckt?
Die Entdeckung geschah 1996 durch Zufall. Ein Wächter der Antikenverwaltung ritt auf seinem Esel in der Nähe des Alexander-Tempels durch die Wüste, als das Tier in ein kleines Loch im Boden stürzte. Die Inspektoren Mohamed el-Taib und Mohamed Aiad gruben die Stelle aus und fanden ein Grab voller Mumien. Die Untersuchung begann im Rahmen einer gemeinsamen Mission: Ein Team von zwölf Personen arbeitete täglich von sechs bis vierzehn Uhr. Das Gelände wurde mit einem Seilraster von zehn mal zehn Metern in Quadrate geteilt; schon die ersten vier Quadrate ergaben vier verschiedene Gräber.
Die Fundstelle umfasst etwa sechs Quadratkilometer. In den ersten Jahren kamen über hundert Mumien aus vier Gräbern zutage. Datiert wird die Nekropole in die griechisch-römische Zeit, also die Jahre von 332 v. Chr. bis 395 n. Chr., und die Nutzung dauerte bis ins 4. Jahrhundert n. Chr.
Welche Grab- und Mumienarten gibt es im Tal?
Die Gräber folgen vier Bauformen. Grab 54 ist in den Sandstein gehauen und besteht aus Eingangshalle, Vorraum und zwei Grabkammern, der Eingang ist etwa 1,25 Meter breit und 2,5 Meter lang und führt über acht Stufen hinab. Eine zweite Form ähnelt den Katakomben von Kom el-Schukafa in Alexandria. Eine dritte ist ein großer Schacht mit Nischen in den Wänden, die vierte ein einziger großer Raum im Fels, gefüllt mit Mumien.

Auch die Mumien lassen sich in vier Gruppen einteilen. Die bekannteste Gruppe trägt eine vergoldete Maske und eine vergoldete Brustplatte, rund 60 solcher Stücke wurden gefunden, und nach ihr heißt das Tal. Eine zweite Gruppe besitzt Kartonage, bemalt mit Göttern wie Anubis, den vier Horussöhnen, Isis, Osiris und Thot. Die dritte Gruppe liegt in menschenförmigen Tonsärgen ohne Gold, die vierte war nur in Leinen gewickelt. Eine Röntgenuntersuchung eines leinengewickelten Toten ergab einen Mann, der mit etwa 35 Jahren starb, ohne Zeichen von Krankheit oder Verletzung. Neben den Mumien fand man eine große Statue des Gottes Bes.
Wer Mumien in einem Museum sehen möchte, besucht das Mumifizierungsmuseum in Luxor oder das Große Ägyptische Museum. Zur Einordnung der Totenkulte helfen die Seiten Ägyptische Götter und Hieroglyphen.
Welche Tempel und Gräber gibt es bei Bawiti?
Der Tempel Alexanders des Großen entstand 332 v. Chr., als Alexander nach Ägypten kam. Der Sandsteinbau hat zwei Kammern und 45 Lagerräume aus Lehmziegeln. Ahmed Fakhry grub ihn von 1938 bis 1942 aus. Ein Granitaltar von rund 1,09 Metern Höhe aus dem Tempel befindet sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo; mehr dazu auf der Seite Ägyptisches Museum Kairo.
Der Tempel von Ain el-Muftella wurde vom Bürgermeister der Oase in der 26. Dynastie unter den Königen Apries und Amasis errichtet. In seinen Kapellen sind Könige beim Opfern vor den Göttern dargestellt.
Aus der 26. Dynastie (664 bis 525 v. Chr.) stammt auch das Grab des Zed-Amun-ef-anch auf einem Rücken über Bawiti. Man erreicht es über einen fünf Meter tiefen Schacht; die Hauptkammer misst etwa sieben mal sieben Meter, sechs Nebenkammern bergen Sarkophage. Es wurde in der Antike geplündert, in römischer Zeit wiederverwendet und im frühen 20. Jahrhundert erneut geplündert; Fakhry untersuchte es 1938. An der Decke sind Sterne und zwölf Geier der Göttin Nechbet gemalt. In der Nähe liegt das Grab seines Sohnes Bannentiu am Ende eines sechs Meter tiefen Schachts: eine quadratische Hauptkammer mit drei Nebenkammern, die Malereien sind sehr gut erhalten. Eine Szene zeigt, wie Anubis die Mumie vorbereitet, eine andere, wie ein Priester Bannentiu dem Gott Min vorstellt. Ein weiteres Grab gehörte Amenophis-Huy, dem Bürgermeister der Oase in der 19. Dynastie.
Wie lebten die Menschen in Bahariya in römischer Zeit?
Die Funde zeichnen das Bild einer wohlhabenden Oase. Dattelpalmen und Reben wuchsen auf dem ganzjährig bewässerten Ackerland, und der Wein fand seinen Weg das Niltal entlang. Wer in dieser Wirtschaft Erfolg hatte, ließ sich aufwendig bestatten. Die vier Ausführungen der Mumien reichen von der vergoldeten Maske über bemalte Kartonage und Tonsarg bis zum schlichten Leinenwickel; sie spiegeln unterschiedliche Mittel der Familien wider. Dass die Nekropole bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. benutzt wurde, zeigt, wie lange die ägyptischen Bestattungsbräuche in der Oase lebendig blieben, auch als das Land längst unter griechischer und römischer Herrschaft stand.
Gold war im Totenglauben das Material der Götter; die vergoldete Maske verlieh dem Verstorbenen göttliche Gestalt. Die Götter auf der Kartonage, Anubis als Gott der Einbalsamierung, Isis und Osiris, die vier Horussöhne als Beschützer der Eingeweide, deuten den Weg der Toten in das Jenseits. Dieselben Motive finden Sie in den großen Gräbern des Niltals wieder, nur in kleinerem Maßstab und aus billigerem Material.
Für die Sicherung der Oase und der Wege errichtete man in römischer Zeit bei Qaret el-Toub ein großes Militärlager. Die Bes-Statue am Tal zeigt zudem, dass auch der Schutzgott für Haus und Familie Teil des Alltags war. Wer die Geschichte der Oase im Zusammenhang sehen möchte, findet die Epochen der Pharaonen auf der Seite Pharaonen.
Was ist die Schwarze Wüste?
Südlich von Bawiti beginnt die Schwarze Wüste: dunkle Kegelhügel, bedeckt mit schwarzem Gesteinsschutt, die sich über hellem Sand erheben. Der Kontrast ist stark, besonders im flachen Licht am Morgen und am Abend. Weiter liegt das Agabat-Tal mit goldenen Felsformationen auf weißem Sand. Beide gehören zur klassischen Route zwischen Bahariya und der Weißen Wüste; dazu eignet sich eine geführte Fahrt mit einem Geländewagen, bei der Sie auch die Nacht im Zeltcamp verbringen können.

Wer die Wüste mit anderen Mitteln erleben möchte, findet Hinweise zu Jeepsafari und Kameltouren. Auf der Seite Weiße Wüste sind die Kreideformationen und die Übernachtung im Zeltcamp ausführlich beschrieben.
Wie reist man nach Bahariya und wie lange sollte man bleiben?
Bahariya erreichen Sie auf der Straße von Kairo oder Gizeh; die Fahrt dauert mehrere Stunden. Von Gizeh lässt sich die Oase mit den Pyramiden verbinden, siehe Gizeh und Sakkara und Dahschur. Für die Stätten bei Bawiti reicht ein halber Tag, für die Schwarze Wüste ein weiterer, und wer die Weiße Wüste anschließt, plant zwei bis drei Tage ein. Die beste Reisezeit ist der Winter; mehr dazu auf der Seite Reisekalender. Im Sommer ist es tagsüber sehr heiß, nachts im Winter kann es kalt werden.
Eine mögliche Reihenfolge: Am ersten Tag besuchen Sie die Gräber der 26. Dynastie, den Alexander-Tempel und das Tal der Goldenen Mumien, am Nachmittag die Hügel der Schwarzen Wüste im flachen Licht. Am zweiten Tag folgen das Agabat-Tal und die Weiße Wüste. Wer die Rückfahrt über Gizeh plant, rechnet für die Strecke einen vollen Reisetag.
Die Stätten liegen verstreut und teils abseits der Straße, wo Sand und Steinfelder eine Fahrt ohne Geländewagen unmöglich machen. Buchen Sie daher Fahrer und Geländewagen für den ganzen Tag, nehmen Sie reichlich Wasser mit und achten Sie auf Sonnenschutz. Aktuelle Reisehinweise stehen auf der Seite Sicherheit, Einreiseregeln auf der Seite Einreise und Visum.
Häufige Fragen zur Bahariya-Oase
Wo liegt die Bahariya-Oase?
In der Westlichen Wüste, rund 360 Kilometer südwestlich von Kairo. Hauptort ist Bawiti.
Wann wurde das Tal der Goldenen Mumien entdeckt?
1996, als der Esel eines Wächters der Antikenverwaltung in ein Loch stürzte und eine Grabanlage freilegte.
Wie viele Mumien liegen im Tal?
In den ersten Grabungsjahren kamen über hundert Mumien aus vier Gräbern zutage. Die Fundstelle umfasst etwa sechs Quadratkilometer.
Aus welcher Zeit stammen die Mumien?
Aus griechisch-römischer Zeit, also von 332 v. Chr. bis 395 n. Chr.
Was ist der Alexander-Tempel?
Ein Sandsteintempel mit zwei Kammern, der 332 v. Chr. entstand, als Alexander der Große nach Ägypten kam. Ahmed Fakhry grub ihn von 1938 bis 1942 aus.
Was ist die Schwarze Wüste?
Eine Landschaft aus dunklen Kegelhügeln mit schwarzem Gesteinsschutt über hellem Sand, südlich von Bawiti.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Einen halben Tag für die Stätten bei Bawiti, einen weiteren für die Schwarze Wüste; mit der Weißen Wüste zwei bis drei Tage.
Was zeigt das Grab des Bannentiu?
Eine quadratische Hauptkammer mit drei Nebenkammern am Ende eines sechs Meter tiefen Schachts. Die Malereien zeigen unter anderem, wie Anubis die Mumie vorbereitet und wie ein Priester Bannentiu dem Gott Min vorstellt.
Aus welcher Zeit stammt der Tempel von Ain el-Muftella?
Aus der 26. Dynastie. Der Bürgermeister der Oase ließ ihn unter den Königen Apries und Amasis errichten.
