Kurz erklärt: Die Kharga-Oase liegt in der Westlichen Wüste, rund 232 Kilometer südwestlich von Asyut, und ist die Hauptstadt des Gouvernements Neues Tal. Im Norden der Stadt stehen der Hibis-Tempel, der größte Tempel der westlichen Oasen, und die Nekropole Bagawat mit 263 Grabkapellen aus frühchristlicher Zeit. Dazu kommen die Tempel von Nadura, Qasr al-Ghueita, Qasr al-Zayyan und Dush. Die Oase war über Jahrhunderte eine Station der Karawanenstraße Darb al-Arbain.
Wo liegt die Kharga-Oase und was zeichnet sie aus?
Die Kharga-Oase liegt in der Libyschen, der Westlichen Wüste, westlich des Nils. Ihre Hauptstadt Kharga ist zugleich Hauptstadt des Gouvernements Neues Tal und rund 232 Kilometer südwestlich von Asyut. In der Antike hieß die Gegend zusammen mit der benachbarten Dakhla-Oase die „Große Oase“. Wie die anderen Oasen des Landes lebt sie von Wasser aus der Tiefe: Brunnen und Quellen speisen Palmenhaine und Felder, und wo Wasser fließt, siedelten Menschen schon in pharaonischer Zeit.
Für Reisende ist Kharga die Oase mit den meisten Altertümern der Westlichen Wüste. Auf einer Fahrt von wenigen Kilometern wechseln sich ein Tempel der Spätzeit, eine christliche Totenstadt und mehrere Heiligtümer der römischen Kaiserzeit ab. Hinzu kommt die Lage an einer der alten Karawanenstraßen nach Süden. Die Wege zwischen den Stätten sind weit. Einen Überblick über alle fünf großen Oasen gibt die Seite Oasen.
Warum ist der Hibis-Tempel so bedeutend?
Der Hibis-Tempel steht nördlich der Stadt zwischen Palmen. Er ist der größte Tempel der westlichen Oasen und stand einst am Rand eines Sees im Zentrum der Siedlung Hebet, „Stadt des Pfluges“, aus der im Griechischen Hibis wurde. Die Stadt und der See sind verschwunden; geblieben ist der Sandsteinbau. Verehrt wurde hier vor allem eine örtliche Form des Amun-Re, der Amun von Hibis, daneben die thebanische Triade mit Amun, Mut und Chons sowie viele weitere Götter, darunter Osiris, Horus und Isis. Welche Rolle diese Gottheiten spielen, erklärt die Seite Ägyptische Götter.
Der Bau begann vermutlich schon in der 26. Dynastie, der Saitenzeit. Vollendet und mit Reliefs geschmückt wurde der Tempel unter Darius I. in der 27. Dynastie, als Ägypten zum Perserreich gehörte. An seiner Stelle stand vermutlich ein älterer Tempel: In neuägyptischen Texten ist ein Heiligtum von Hibis erwähnt, und wiederverwendete Blöcke tragen auf der Rückseite ältere Szenen. Spätere Herrscher bauten weiter. Der Säulensaal hat zwölf Säulen und liegt ohne Dach unter freiem Himmel; Nektanebos I. und II. aus der 30. Dynastie fügten die Vorhalle mit Papyrus-, Lotos- und Palmenkapitellen hinzu. Von zwei Obelisken des Nektanebos II. blieben die quadratischen Sockel.
Das Große Tor aus Sandstein errichtete Ptolemaios II. im 3. Jahrhundert v. Chr.; es führte durch eine neue, größere Lehmziegelmauer. Das äußere Tor stammt aus später ptolemäischer oder römischer Zeit, und römische Statthalter ließen daran ihre Erlasse anschlagen. Eine Sphinxallee verlief ursprünglich von der Anlegestelle zum Großen Tor.
Die Reliefs gehören zu den besten Zeugnissen spätzeitlicher Religion. Im Heiligtum bedecken neun Register mit Opferszenen des Darius vor Hunderten von Göttern die Wände, oberägyptische Götter im Süden, unterägyptische im Norden. Am inneren Tor bringt der König dem Amun-Min Salatköpfe dar. Im Säulensaal sticht Seth mit einem Speer nach der Schlange Apophis, er ist als Falkenköpfiger mit Flügeln und Schwanz dargestellt, ein Löwe begleitet ihn. Ein Raum zeigt die göttliche Natur des Königs, mit der Schöpfung auf der Töpferscheibe durch Ptah und Chnum. Treppen führen zu Kapellen des Osiris mit Szenen der Auferstehung.
Ihre Ausgrabung verdankt die Anlage dem Metropolitan Museum in New York: Herbert Winlock begann 1909 mit den Arbeiten, Norman de Garis Davies zeichnete die Reliefs. Das Museum veröffentlichte die Ergebnisse in drei Bänden. Das ursprüngliche Kapitell einer südlichen Vorhallensäule steht heute im Metropolitan Museum, am Tempel erinnert ein Nachbau daran.
Was macht die Nekropole Bagawat besonders?
Bagawat liegt nördlich der Stadt auf einem Hügel hinter dem Hibis-Tempel. Die Totenstadt zählt zu den ältesten christlichen Friedhöfen Ägyptens. Ihr Bau begann im 3. Jahrhundert n. Chr. auf dem Gelände eines älteren ägyptischen Friedhofs, und ihre Architektur verbindet ägyptische und christliche Elemente. Bekannt sind 263 Grabkapellen aus Lehmziegeln, von einfachen Räumen bis zu aufwändigen Familiengräbern. Die Bestattungen lagen in Schächten unter den Kapellen auf Regalen; Särge und Beigaben fanden sich dort. Mumifizierung blieb hier lange üblich, als sie im Niltal längst aufgegeben war.

Die Kuppeln der Kapellen tragen Malereien. Die Exoduskapelle, eine der frühesten, zeigt im Inneren der Kuppel Bänder mit Szenen des Alten Testaments: Adam und Eva, die Arche Noah, Daniel in der Löwengrube, Jona und den Wal, am deutlichsten den Auszug der Israeliten unter Mose durch das Sinai-Gebiet, verfolgt vom Heer des Pharao. In der Friedenskapelle erscheinen ähnliche Themen, darunter die Verkündigung an Maria; griechische Beischriften benennen die Szenen. Die Wände zeigen byzantinische Fresken von Weinranken, Pfauen und allegorischen Gestalten. In einigen Kapellen stehen arabische Graffiti vom 9. Jahrhundert bis heute, ein Teil stammt vermutlich von türkischen Soldaten, die im späten 18. Jahrhundert in Bagawat lagen.
Bagawat ist täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet (Stand: November 2026). Der Eintritt beträgt für ausländische Erwachsene 120 ägyptische Pfund, für Studierende 60 Pfund (Stand: November 2026). Wer sich für frühes Christentum in Ägypten interessiert, findet in Koptisch-Kairo die Fortsetzung der Geschichte.
Welche Römertempel gibt es in der Oase?
Neben Hibis gibt es vier weitere Tempel, die Besucher kennen lernen können. Alle sind aus Sandstein gebaut und von Lehmziegelmauern umgeben.

Der Tempel von Nadura steht auf einem Hügel und war dem Chons geweiht. Er entstand unter den römischen Kaisern Hadrian und Antoninus Pius. Sein Name verweist auf seine Rolle als Kontrollpunkt für Karawanen auf der Darb al-Arbain. Der Tempel von Qasr al-Ghueita besitzt drei Hallen, die in einem Allerheiligsten enden; dieser Kern stammt aus der 27. Dynastie, der Rest aus ptolemäischer Zeit. Er ist Amun, Mut und Chons geweiht. Der Tempel von Qasr al-Zayyan entstand im Jahr 138 n. Chr., im dritten Regierungsjahr des Antoninus Pius, und ist dem Amun von Hibis gewidmet, der als Herr der Oase verehrt wurde. Der Tempel von Dush besteht aus einem Sandsteinbau mit Ziegelmauer und einer vierstöckigen Festung, erbaut unter Domitian, Trajan und Hadrian. Er ist Serapis, Isis und Harpokrates geweiht.
Alle vier Heiligtümer liegen verstreut in der Wüste, zum Teil weit außerhalb der Stadt. Wer sie alle besuchen will, plant einen ganzen Tag mit Fahrer und Fahrzeug ein; abseits der Hauptstraße sind Wege oft Sandpisten.
Was war die Darb al-Arbain?
Kharga lag an der „Straße der vierzig Tage“, arabisch Darb al-Arbain. Sie führte als Karawanenweg vom Süden, aus Darfur im Sudan, durch die Wüste nach Ägypten und endete im Norden am Nil bei Asyut. Der Name bezieht sich auf die Dauer der Reise. Auf diesem Weg gelangten über Jahrhunderte Waren zwischen dem Süden und dem Niltal hin und her. Die heutige Straße südlich der Stadt folgt ungefähr dem alten Weg. Die Römer sicherten die Strecke mit Festungen, und der Tempel von Nadura lag als Kontrollpunkt an ihr.
In der Oase kamen die Karawanen aus der Wüste, um Wasser zu schöpfen, ihre Tiere zu versorgen und Waren zu tauschen. Dass Kharga so viele Heiligtümer besitzt, ist deshalb kein Zufall: Hier fanden Händler, Soldaten und Reisende Schutz, Wasser und religiösen Beistand. Die Oasen und ihre Wege gehören zu den Themen der Seite Oasen; mit einem Geländewagen lässt sich die Gegend auf einer Jeepsafari erkunden.
Was zeigt das Museum des Neuen Tals?
Das Museum des Neuen Tals in Kharga bewahrt 4.087 Objekte in Ausstellung und Magazin. Das dreistöckige Gebäude steht auf einem Gelände von 3.150 Quadratmetern, die Sammlung reicht von der Vorgeschichte bis zur Zeit der Familie Muhammad Alis. Wer vor dem Besuch der Stätten einen Überblick über die Geschichte der Oasen gewinnen möchte, beginnt dort. Die Sammlung zeigt, wie lange die Wüste besiedelt ist. Mehr zu den Herrschern des Landes erklärt die Seite Pharaonen, zu den Schriftzeichen auf den Wänden die Seite Hieroglyphen.
Wie plant man die Reise nach Kharga?
Kharga ist die am besten erreichbare Oase der Westlichen Wüste. Gute Straßen führen von Asyut und von Luxor in die Stadt. Wer von Luxor kommt, verbindet den Abstecher mit Karnak und dem Westufer; wer aus dem Norden kommt, kann auf dem Weg Tell el-Amarna besuchen. Gönnen Sie sich mindestens zwei Tage: einen für Hibis, Bagawat und das Museum, einen für die Römertempel. Die beste Reisezeit ist der Winter, siehe Reisekalender; im Sommer ist die Hitze in der Wüste sehr groß.
Auf Straßen der Westlichen Wüste kann die Polizei die Durchfahrt aus Sicherheitsgründen untersagen. Prüfen Sie deshalb vor der Abreise aktuelle Hinweise auf der Seite Sicherheit und beachten Sie die Regeln unter Einreise und Visum. Nehmen Sie ausreichend Wasser und Sonnenschutz mit.
Häufige Fragen zur Kharga-Oase
Wo liegt die Kharga-Oase?
In der Westlichen Wüste, rund 232 Kilometer südwestlich von Asyut. Die Stadt Kharga ist die Hauptstadt des Gouvernements Neues Tal.
Was ist der Hibis-Tempel?
Der größte Tempel der westlichen Oasen, dem Amun von Hibis geweiht. Der Bau begann in der 26. Dynastie und wurde unter Darius I. vollendet und mit Reliefs geschmückt.
Wie viele Grabkapellen hat Bagawat?
263 Lehmziegelkapellen. Die Nekropole entstand ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. auf einem älteren ägyptischen Friedhof und gehört zu den ältesten christlichen Friedhöfen Ägyptens.
Welche Tempel gibt es neben Hibis?
Nadura, Qasr al-Ghueita, Qasr al-Zayyan und Dush. Sie entstanden in ptolemäischer und römischer Zeit.
Was war die Darb al-Arbain?
Die „Straße der vierzig Tage“, eine Karawanenstraße von Darfur im Sudan durch Kharga nach Asyut am Nil.
Wann ist Bagawat geöffnet?
Täglich von 9 bis 16 Uhr (Stand: November 2026). Der Eintritt beträgt für ausländische Erwachsene 120 ägyptische Pfund, für Studierende 60 Pfund.
Wie komme ich nach Kharga?
Per Auto oder Reisebus von Asyut oder Luxor, am besten mit Fahrer. Prüfen Sie vor der Abreise aktuelle Reisehinweise.
