Kurz erklärt: Das Rote Meer war schon vor 4.500 Jahren ein Handelsweg. In Wadi al-Jarf, südlich von Suez, liegt der älteste bekannte Hafen der Welt mit einer Mole aus der Zeit des Königs Cheops. Später entstanden Myos Hormos bei Quseir und Berenike bei Marsa Alam: Von dort fuhren ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. Schiffe nach Arabien und Indien, beladen mit Elefanten, Gold, Weihrauch, Myrrhe und Pfeffer. Die Wüstenstraßen zum Nil und die Funde der Grabungen zeigen, wie dieser Handel lief.
Warum entstanden am Roten Meer Häfen?
Das Rote Meer verbindet Ägypten mit Arabien, Ostafrika und Indien. Ägyptische Schiffe fuhren seit mindestens der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. bis zum Südausgang des Meeres und brachten Myrrhe und Weihrauch heim. Als Ägypten im späten 1. Jahrhundert v. Chr. Teil des Römischen Reiches wurde, öffnete sich der Weg nach Arabien und Indien, und römische Kaufleute nutzten ihn in wachsender Zahl.
Die Häfen lagen dort, wo ein Trockental, ein Wadi, vom Nil zur Küste führt, denn Waren und Menschen mussten durch die Östliche Wüste. Zudem bestimmten Winde und Jahreszeiten, wann Schiffe segelten, wo sie ankerten und welche Route sie wählten. Günstige Winde hielten Berenike lange in Betrieb. Gefahren drohten durch Korallenriffe, Monsunwinde und Piraten sowie durch eine Steuer von 25 bis 50 Prozent auf eingeführte Waren.
Wo liegt der älteste Hafen der Welt?
Wadi al-Jarf liegt etwa 180 Kilometer südlich von Suez am Roten Meer. Die Anlage ist rund 4.500 Jahre alt und stammt aus der Zeit der 4. Dynastie, als König Cheops (um 2550 v. Chr.) die Große Pyramide in Gizeh baute. Eine L-förmige Mole aus großen Blöcken und Kalksteinplatten, die den Namen des Cheops tragen, führt vom Ufer ins Wasser. Kalkstein-Anker vieler großer Schiffe zeigen, dass von hier Fahrten ausgingen, um Kupfer und Türkis aus dem Südwesten der Sinai-Halbinsel zum Nil zu bringen. Die Mole ist mehr als tausend Jahre älter als jedes andere bekannte Bauwerk dieser Art.
Im Fels der Umgebung liegt ein System unterirdischer Lagergänge, in denen Reste von Booten, Seilen und Tonware gefunden wurden. Die Grabung der Pariser Sorbonne-Universität läuft seit 2011 unter der Leitung des Ägyptologen Pierre Tallet. Der bekannteste Fund gelang 2013: Am Eingang einer der Lagergalerien lagen Hunderte Papyrusfragmente aus der Spätzeit der Regierung des Cheops. Es sind die ältesten Papyri, die je in Ägypten entdeckt wurden. Sie enthalten Abrechnungen über gelieferte Güter und das Tagebuch eines Inspektors namens Merer. Merer und seine Mannschaft brachten Kalksteinblöcke aus den Steinbrüchen von Tura über den Nil zur Baustelle der Großen Pyramide. Das Tagebuch verzeichnet jeden Arbeitstag. Mehr zu den Bauten der Zeit finden Sie auf den Seiten zu den Pyramiden und zu Sakkara und Dahschur.
Was war Myos Hormos?
Myos Hormos entspricht dem heutigen Quseir al-Qadim, rund 8 Kilometer nördlich der Stadt Quseir. Der Ort wurde 1993 als Standort vorgeschlagen und 1999 durch Funde und Inschriften bestätigt. Er liegt am Ende des Wadi Hammamat, einer Route von rund 180 Kilometern durch die Östliche Wüste, die aus der Gegend von Luxor an die Küste führt.
Besiedelt war er vom späten 1. Jahrhundert v. Chr. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. Jährlich segelten 120 Schiffe von hier nach Indien. Eine Hafenanlage ist nicht erhalten, doch die Ausgräber fanden eine Mole aus Amphoren. Die Universität Chicago grub in den 1970er-Jahren, die Universität Southampton führte zwischen 1999 und 2003 fünf Grabungssaisons durch. Das trockene Klima hat organische Funde hervorragend erhalten: Sie zeigen, welche Waren gehandelt wurden, wie die Menschen aßen und sich kleideten und welche Volksgruppen im Hafen lebten. Im Mittelalter wurde der Platz erneut als islamischer Hafen genutzt, wovon genähte Bootsplanken zeugen. Ein römisches Fort bei Qasr Hadie und eine Straße zum Nil gehören zum Umfeld.
Wie funktionierte der Handel über Berenike?
Berenike liegt in der Bucht von Ras Banas bei Marsa Alam, etwa 4 Kilometer südlich von Bender el-Kebir, am Ort Medinet el-Haras. Ptolemaios II. gründete den Hafen um 275 v. Chr. und benannte ihn nach seiner Mutter. Zunächst war er ein Umschlagplatz für Elefanten, die südlich an der afrikanischen Küste gefangen wurden und den Heeren als lebende Kriegsmaschinen dienten. Der Hafen war vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis ins späte 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. in Betrieb, seine Blütezeit lag im 1. Jahrhundert n. Chr.
Gehandelt wurde im großen Stil. Eingeführt wurden Elefanten, Gold, Weihrauch, Myrrhe und indischer Pfeffer, ausgeführt Rote Korallen, Perlen, Glas, Textilien, Getreide, Wein sowie Gold- und Silberbarren. Eine einzelne Schiffsladung konnte einen Wert in Millionenhöhe nach heutigem Geld erreichen. Besonders belegt ist der Pfefferhandel: 1.156 schwarze Pfefferkörner aus Schichten des 1. bis 5. Jahrhunderts n. Chr. zeigen den Kontakt mit Südasien. Die Lagerhäuser bestanden aus billigem Material wie fossilem Korallengestein und Gipsblöcken, was die Kosten niedrig hielt.
Die Grabungen leitet seit den 1990er-Jahren Steven Sidebotham von der Universität Delaware. Gefunden wurden die Reste einer Kaimauer und ein möglicher Leuchtturm. In einem Lagerhaus fanden sich eine fast lebensgroße Bronzestatue und ein steinerner Löwe, die möglicherweise beim Verbot heidnischer Kulte in Sicherheit gebracht wurden. Auch Reste von Keramik und Ziegenknochen aus dem 5. und 6. Jahrhundert stammen möglicherweise von den Blemmyern, einem Wüstennomadenvolk. Warum Berenike aufgegeben wurde, ist offen. Die wachsende Konkurrenz der Häfen weiter im Süden war wohl ein Grund. Zu den Straßen gehörte ein hellenistischer Weg zum Nil und römische Forts bei Siket und im Wadi Kalalat. Eine der Inseln der Region ist Zabargad, in der Antike Ophiodes, eine Topasquelle, die heute als Tauchplatz Zabargad bekannt ist.
Wo wurde Porphyr gebrochen?
Die Östliche Wüste lieferte nicht nur den Weg zum Meer, sondern auch Stein. In den Bergen des Mons Porphyrites liegt die einzige bekannte Quelle des kaiserlichen Porphyrs, eines purpurnen, edelsteinartigen Gesteins, das in der Antike für Skulpturen und prächtige Bauten begehrt war. Von 1994 bis 1998 wurde der Ort von einem Projekt der Egypt Exploration Society mit den Universitäten Southampton und Exeter und dem Zentrum für griechische und lateinische Dokumente in Brüssel untersucht. Hunderte griechische Tonscherben mit Aufschriften, sogenannte Ostraka, wurden gefunden. Sie zeigen, wie die römische Verwaltung die Steinbrüche betrieb und wie Hunderte Menschen in der Wüste versorgt wurden.
Eine Straße führte zur Küste: Das römische Fort Abu Sha’ar liegt bei El Gouna am Ende der Via Hadriana. Der Badeort El Gouna und die Stadt Hurghada liegen damit an einem alten Weg. Weitere Orte an Wüstenstraßen sind Marsa Nakari südlich von Marsa Alam mit einer Straße ins Niltal und Quseir, wo das Wadi Hammamat ans Meer mündet und zum antiken Koptos am Nil führt.
Was ist heute zu sehen?
Die Stätten sind Forschungsplätze; erhalten sind Mauerreste, Kaimauern und Funde in den Magazinen. Als Orientierung für eine Reise sind die Lagen nützlich: Quseir al-Qadim liegt etwa 8 Kilometer vor der Stadt Quseir, Berenike an der Bucht von Ras Banas südlich von Marsa Alam, Wadi al-Jarf rund 180 Kilometer südlich von Suez. Erkundigen Sie sich vor jeder Fahrt, ob und wann Besuche möglich sind (Stand: November 2026). Die Küste selbst erleben Sie bequem: Die Seiten zu Safaga, El Quseir und Marsa Alam zeigen Strände und Riffe, und die Seite Rotes Meer ordnet die Küste ein. Taucher finden Riffe bei Marsa Alam auf der Seite Tauchen in Marsa Alam.
Häufige Fragen zu den antiken Häfen am Roten Meer
Wo liegt der älteste Hafen der Welt?
In Wadi al-Jarf am Roten Meer, rund 180 Kilometer südlich von Suez. Er stammt aus der Zeit des Königs Cheops, um 2550 v. Chr.
Was ist Myos Hormos?
Ein antiker Hafen bei Quseir al-Qadim, etwa 8 Kilometer nördlich von Quseir. Er war vom späten 1. Jahrhundert v. Chr. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. besiedelt.
Wann wurde Berenike gegründet?
Um 275 v. Chr. unter Ptolemaios II., der den Hafen nach seiner Mutter benannte.
Was handelten die Häfen?
Elefanten, Gold, Weihrauch, Myrrhe und Pfeffer wurden eingeführt, Korallen, Glas, Textilien, Getreide und Wein ausgeführt.
Wie kamen die Waren zum Nil?
Auf Straßen durch die Östliche Wüste, zum Beispiel durch das Wadi Hammamat von Quseir in Richtung Luxor und Koptos.
Kann man die Stätten besuchen?
Es sind Grabungsplätze. Erkundigen Sie sich vor der Fahrt nach den aktuellen Möglichkeiten (Stand: November 2026).
