Kalksteintafel nach über 20 Jahren womöglich entziffert

Autor: Annika Grunert - Veröffentlicht am 5. Juni 2018

Der kleine Kalkstein wurde bereits 1995 in einer ägyptischen Grabstätte in Luxor gefunden, die einem gewissen Sennefer gehörte. Doch erst jetzt ist scheinbar ihre Entschlüsselung gelungen. Der kanadische Ägyptologe Thomas Schneider hatte sich der Inschrift angenommen und führt sie jetzt auf den Ursprung des semitischen Alphabets zurück und damit auf das unsere.

Ägypten Hieroglyphen
In Luxor wurden schon einige Hieroglyphen gefunden und lassen sich zum Teil vor Ort bestaunen.

Die Kalksteintafel ist über 3.400 Jahre alt und misst gerade einmal zehn mal zehn Zentimeter. Der darauf enthaltene Text besteht aus ägyptischen Hieroglyphen, die hierarchisch geschrieben sind. Dabei handelt es sich um eine spezielle Schriftform. In einem Aufsatz in dem Journal „Bulletin of the American Schools of Oriental Research“ berichtet Thomas Schneider über seine Entdeckung. Auf der einen Seite des Kalksteins lassen sich demnach Symbole finden, wie „garu“, was Taube bedeuten könnte, oder „bibiya-ta“, was Erdschlange bedeuten könnte. Auf der anderen Seite sind semitische Wörter zu finden, die die Phönizier benutzten, ein Handelsvolk, das vor etwa 3.200 bis 2.300 Jahren im Mittelmeerraum lebte. Auf diese Schrift lässt sich das heute verwendete Alphabet zurückführen.

Dem Magazin Live Science teilte Schneider mit, dass es sich bei diesem Fund um die erste historische Bestätigung unserer Alphabet-Sequenz handeln würde. Außerdem vermutet der Professor für Ägyptologie und Nahoststudien, dass die Kalksteintafel den Leuten dazu diente, sich das Alphabet zu merken. Allerdings lassen sich Schneiders Erkenntnisse schwer überprüfen. Weil es keine so alten Texte in semitischer Sprache gibt, müssen die Wissenschaftler immer auf neuere Texte zurückgreifen, bei denen sich die Bedeutungen der Wörter aber geändert haben können.