Abu Simbel

Von der Aegypten.de-Redaktion Aktualisiert: Juni 2026 9 Min. Lesezeit
Abu Simbel

Kurz erklärt: Abu Simbel im äußersten Süden Ägyptens sind zwei gewaltige Felsentempel, die Ramses II. vor über 3.200 Jahren in den Fels schlagen ließ. Vier rund 20 Meter hohe Kolossalstatuen bewachen den Großen Tempel. In den 1960er-Jahren rettete die UNESCO die Anlage vor den Fluten des Nassersees.

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Lage von Abu Simbel in Ägypten

Was ist Abu Simbel?

Abu Simbel bezeichnet zwei monumentale Felsentempel im äußersten Süden Ägyptens, in der historischen Region Nubien am Westufer des Nassersees, nicht weit von der Grenze zum Sudan. Pharao Ramses II. ließ sie im 13. Jahrhundert v. Chr. errichten, um seine Macht zu demonstrieren und die Götter zu ehren. Der Große Tempel ist dem König selbst sowie mehreren Reichsgöttern gewidmet, der kleinere Tempel seiner Lieblingsgemahlin Nofretari und der Göttin Hathor. Berühmt sind die vier rund zwanzig Meter hohen sitzenden Kolossalstatuen Ramses’ II. an der Fassade des Großen Tempels, die schon von Weitem überwältigen. Abu Simbel zählt zu den eindrucksvollsten Denkmälern des Alten Ägypten und ist trotz seiner abgelegenen Lage ein fester Höhepunkt vieler Reisen in den Süden des Landes.

Wer hat die Tempel von Abu Simbel gebaut?

Bauherr war Ramses II., einer der mächtigsten und am längsten regierenden Pharaonen des Neuen Reiches. Er ließ im Laufe seiner über sechzigjährigen Herrschaft zahllose Bauwerke im ganzen Land errichten, doch Abu Simbel gilt als sein eindrucksvollstes. Mit der gewaltigen Anlage tief im Süden sicherte er die Grenze zum nubischen Raum symbolisch ab und zeigte Nachbarn wie Untertanen seine göttergleiche Stellung. Die Fassade mit den vier Kolossen, die ihn selbst darstellen, war eine unübersehbare Machtdemonstration. Im Inneren erzählen Reliefs von seinen Feldzügen, allen voran der berühmten Schlacht von Kadesch. Der kleinere Tempel daneben ehrt seine Gemahlin Nofretari – eine für die damalige Zeit außergewöhnliche Würdigung einer Königin neben dem allgegenwärtigen Bild des Pharaos.

Was macht den Großen Tempel so besonders?

Der Große Tempel ist vollständig in den anstehenden Sandsteinfels gehauen und beeindruckt schon durch seine Fassade: vier sitzende Kolossalstatuen Ramses’ II., jede rund zwanzig Meter hoch, flankieren den Eingang. Im Inneren führt eine Folge von Hallen immer tiefer in den Berg, vorbei an mächtigen Pfeilerstatuen und Wänden voller Reliefs, die Ramses’ Taten und seine Nähe zu den Göttern feiern. Ganz hinten, im Allerheiligsten, sitzen vier Götterstatuen, darunter der vergöttlichte König selbst. Dass eine so gewaltige Architektur nicht gemauert, sondern aus dem Fels herausgearbeitet wurde, macht die Leistung umso erstaunlicher. Der Tempel war von Anfang an darauf ausgelegt, Besucher zu überwältigen und die Größe des Pharaos für die Ewigkeit festzuhalten – eine Wirkung, die bis heute ungebrochen ist.

Was zeigen die Reliefs im Inneren des Großen Tempels?

Im Inneren führen mehrere Hallen tief in den Fels, deren Wände dicht mit Reliefs bedeckt sind. Das berühmteste Bildprogramm schildert die Schlacht von Kadesch, in der Ramses II. gegen die Hethiter kämpfte – eine der frühesten Schlachten der Geschichte, die so ausführlich dargestellt wurde. Man sieht den König gewaltig überhöht auf seinem Streitwagen, wie er im Alleingang die Feinde niederwirft; tatsächlich endete die reale Schlacht eher unentschieden, doch in der Tempelpropaganda wird sie zum glänzenden Sieg. Weitere Szenen zeigen Ramses beim Opfer vor den Göttern, die Aufreihung gefangener Feinde und seine göttliche Legitimation. Die erste Halle wird von acht mächtigen Pfeilerstatuen des Königs in Gestalt des Gottes Osiris getragen. So verbindet der Tempel im Inneren Kriegsruhm und Götterverehrung zu einer eindrucksvollen Inszenierung der Macht des Pharaos.

Was hat es mit dem kleinen Tempel der Nofretari auf sich?

Direkt neben dem Großen Tempel ließ Ramses II. einen zweiten, kleineren Felsentempel errichten, der seiner Lieblingsgemahlin Nofretari und der Göttin Hathor gewidmet ist. Schon die Fassade ist bemerkenswert: Sechs rund zehn Meter hohe stehende Kolossalstatuen flankieren den Eingang, vier zeigen den König und zwei die Königin. Außergewöhnlich ist, dass Nofretari dabei genauso groß dargestellt ist wie der Pharao – eine seltene Ehre, denn üblicherweise wurden Königinnen deutlich kleiner gezeigt. Im Inneren tragen Pfeiler die Kopfgestalt der Hathor, und die Wände zeigen das Königspaar bei der Verehrung der Götter. Der Tempel ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die besondere Stellung Nofretaris und macht Abu Simbel zu einer Anlage, die nicht nur den Herrscher, sondern auch seine Gemahlin für die Ewigkeit feiert.

Was hat es mit dem Sonnenwunder auf sich?

Eine der faszinierendsten Eigenschaften des Großen Tempels ist seine Ausrichtung auf die Sonne. An zwei Tagen im Jahr, traditionell um den 22. Februar und den 22. Oktober, fällt das Licht der aufgehenden Sonne durch den Eingang tief in den Fels bis ins rund sechzig Meter entfernte Allerheiligste und beleuchtet dort die Götterstatuen. Bemerkenswert ist, dass die Figur des Totengottes Ptah dabei im Dunkeln bleibt. Dieses sogenannte Sonnenwunder zeigt die erstaunlichen astronomischen und baulichen Kenntnisse der alten Ägypter. Zu diesen Terminen zieht das Schauspiel besonders viele Besucher an, und in Abu Simbel herrscht festliche Stimmung. Durch die Versetzung des Tempels in den 1960er-Jahren verschob sich das Ereignis um etwa einen Tag, doch das Phänomen selbst blieb erhalten und beeindruckt bis heute.

Warum wurden die Tempel versetzt?

In den 1960er-Jahren entstand bei Assuan der große Staudamm, der den Nil aufstaute und den riesigen Nassersee schuf. Dadurch drohte Abu Simbel ebenso wie viele andere nubische Denkmäler dauerhaft in den Fluten zu versinken. In einer beispiellosen internationalen Rettungsaktion unter Leitung der UNESCO wurden die beiden Tempel zwischen 1964 und 1968 in über tausend nummerierte Blöcke zersägt und an einer höher gelegenen Stelle originalgetreu wieder zusammengesetzt. Sogar der umgebende Felshügel wurde künstlich nachgebildet. Diese gigantische Umsetzung gilt bis heute als Meilenstein des internationalen Denkmalschutzes und gab den Anstoß zur Idee des Welterbes. Wer heute vor Abu Simbel steht, sieht die Tempel also nicht mehr ganz an ihrem ursprünglichen Ort, dafür aber gerettet für künftige Generationen.

Wie kommst du nach Abu Simbel?

Abu Simbel liegt rund 280 Kilometer südlich von Assuan und ist trotz der abgelegenen Lage gut erreichbar. Am verbreitetsten ist die Anfahrt per Auto oder Bus, häufig im Rahmen einer organisierten Tour, die früh am Morgen in Assuan startet; die Fahrt dauert je nach Strecke etwa drei bis vier Stunden pro Richtung. Schneller, aber teurer ist der Kurzflug ab Assuan, der die Tempel in wenigen Stunden als Tagesausflug erreichbar macht. Eine besonders stilvolle Variante ist eine Nassersee-Kreuzfahrt, bei der du Abu Simbel vom Wasser aus erlebst und weitere nubische Tempel besuchst. Wer per Tagesausflug anreist, sollte sich auf einen langen, aber lohnenden Tag einstellen und ausreichend Wasser und Sonnenschutz mitnehmen.

Was kostet der Eintritt und wann ist die beste Zeit?

Für den Besuch der beiden Tempel zahlst du einen Eintritt, der in ägyptischen Pfund ausgewiesen und regelmäßig angepasst wird; für das Fotografieren im Inneren kann ein zusätzliches Ticket nötig sein. Da viele Besucher als frühe Tagestour aus Assuan kommen, ist es am Vormittag voller; wer flexibel ist, erlebt die Anlage am späten Nachmittag ruhiger und im schönen Licht. Bezogen auf die Jahreszeit sind die Monate Oktober bis April angenehmer, weil die Hitze im tiefen Süden Ägyptens im Sommer extrem werden kann. Zu den Terminen des Sonnenwunders im Februar und Oktober ist mit besonders großem Andrang zu rechnen. Mehr zur passenden Saison findest du in unserem Überblick zur besten Reisezeit für Ägypten.

Was solltest du beim Besuch beachten?

Der Besuch von Abu Simbel ist wegen der Entfernung ein echter Ausflug, für den du Zeit und etwas Ausdauer einplanen solltest. Bei der Anreise per Tagestour beginnt der Tag oft sehr früh, daher lohnt es sich, am Vorabend zeitig ins Bett zu gehen. Vor Ort gibt es kaum Schatten, deshalb sind Kopfbedeckung, Sonnencreme, ausreichend Wasser und feste Schuhe unverzichtbar. Im Inneren der Tempel gelten je nach aktueller Regelung Vorgaben zum Fotografieren; achte auf die Hinweise und berühre die Reliefs nicht. Halte Kleingeld für Trinkgelder bereit. Ein kundiger Reiseleiter erklärt dir die Geschichte Ramses’ II., das Sonnenwunder und die spektakuläre Umsetzung der Tempel und macht den weiten Weg zu einem unvergesslichen Höhepunkt deiner Reise in den ägyptischen Süden.

Du planst deine Reise? Im Reiseführer zu Assuan entdecken findest du Orte, Hotels und passende Angebote. Ausführliche Hintergründe bietet der Wikipedia-Artikel zu Abu Simbel.

Häufige Fragen zum Thema Abu Simbel

Wie weit ist Abu Simbel von Assuan entfernt?

Abu Simbel liegt rund 280 Kilometer südlich von Assuan. Per Auto oder Bus dauert die Fahrt etwa drei bis vier Stunden pro Richtung; alternativ gibt es einen Kurzflug, der die Tempel als Tagesausflug deutlich schneller erreichbar macht.

Wann findet das Sonnenwunder in Abu Simbel statt?

Das Sonnenwunder, bei dem die Morgensonne das Allerheiligste erleuchtet, ereignet sich zweimal im Jahr, traditionell um den 22. Februar und den 22. Oktober. An diesen Tagen ist der Andrang besonders groß.

Sind die Tempel von Abu Simbel original?

Ja, es sind die echten Tempel Ramses’ II. Sie wurden in den 1960er-Jahren jedoch Block für Block zersägt und an einem höher gelegenen Ort originalgetreu wieder aufgebaut, um sie vor den Fluten des Nassersees zu retten.