Kurz erklärt: Die Al-Muizz-Straße ist die historische Hauptachse des islamischen Kairo. Sie verläuft von Bab al-Futuh im Norden bis Bab Zuwayla im Süden und wird vom Ministerium als größtes Freilichtmuseum islamischer Denkmäler der Welt beschrieben. 29 Bauwerke vom 10. bis zum 19. Jahrhundert säumen die Straße; ein Rundgang dauert einen halben bis ganzen Tag.
Was ist die Al-Muizz-Straße?
Die Al-Muizz-Straße ist die Hauptstraße der fatimidischen Stadt Kairo und heute die Achse des islamischen Kairo. Sie trägt den Namen des Kalifen al-Muizz li-Din Allah, der die Herrschaft der Fatimiden in Ägypten begründete und von 969 bis 975 n. Chr. regierte. Ihren heutigen Namen erhielt die Straße 1937, nachdem sie im Lauf der Jahrhunderte viele Bezeichnungen getragen hatte.
Das Ministerium für Tourismus und Antiquitäten nennt sie das größte Freilichtmuseum islamischer Denkmäler der Welt. Gemeint ist die Dichte: Moscheen, Schulen, Mausoleen, Wohnhäuser, Handelsbauten und Stadttore stehen auf kurzer Strecke nebeneinander, dazwischen liegen Läden und Werkstätten, in denen die Gasse bis heute lebt. Den größeren Zusammenhang erklärt die Seite zur Altstadt von Kairo.
Wie ist die Straße entstanden?
Der Feldherr Gawhar al-Siqilli eroberte Ägypten 969 im Auftrag des Kalifen al-Muizz und gründete die Stadt al-Qahira, „die Siegreiche“. Nach den Angaben des Ministeriums war sie rechteckig angelegt, die Al-Muizz-Straße verlief als Hauptachse von Norden nach Süden durch die Mitte. Acht Tore in den Mauern, zwei an jeder Seite, öffneten die Stadt; im Norden lagen Bab al-Nasr und Bab al-Futuh, im Süden Bab Zuwayla und Bab al-Farag.
Kairo war damals die vierte Hauptstadt des islamischen Ägypten nach Fustat, al-Askar und al-Qatai. Die Fatimiden gründeten hier auch ihre erste Moschee, die Al-Azhar-Moschee, die im Jahr 970 entstand. Sie war die erste Freitagsmoschee der Stadt und die vierte im islamischen Ägypten. Die UNESCO nennt Al-Azhar seit der Gründung ein führendes theologisches und religiöses Bildungszentrum der islamischen Welt.
Welche Tore begrenzen die Straße?
Im Norden endet die Straße am Bab al-Futuh, dem „Tor der Eroberungen“. Der Wesir Badr al-Gamali ließ es 1087 unter dem Kalifen al-Mustansir errichten. Eine Bauinschrift zeigt, dass es ursprünglich Bab al-Iqbal hieß, „Tor des Wohlstands“; die Kairoer nannten es aber weiter nach dem älteren Tor, das es ersetzte. Zwei Türme mit runden Fronten sind durch eine Plattform verbunden. In ihrem Boden liegen Schächte, durch die man siedendes Öl auf Angreifer gießen konnte. Das Ministerium zählt Bab al-Nasr, Bab al-Futuh und Bab Zuwayla zu den seltenen Beispielen islamischer Militärarchitektur aus der Zeit vor den Kreuzzügen.
Im Süden steht Bab Zuwayla, 1092 vom selben Wesir erbaut, etwa fünf Jahre nach den Nordtoren. Zwei halbrunde Türme rahmen den Durchgang, der rund 4,82 Meter breit ist. Rund 300 Jahre später nutzte Sultan al-Muayyad Shaykh die Turmsockel als Fundament für die beiden Minarette seiner benachbarten Moschee (1415 bis 1421). Am Tor richtete der osmanische Sultan Selim I. 1517 den letzten Mamlukensultan Tumanbay hin. Von 1998 bis 2003 restaurierten der Oberste Rat für Antiquitäten und das American Research Center in Egypt das Tor. Der Name geht auf den Stamm der Zuwayla zurück, der mit Gawhar aus Nordafrika kam und sich beim Tor ansiedelte.
Was ist die Al-Hakim-Moschee?
Gleich hinter Bab al-Futuh liegt die Moschee des Kalifen al-Hakim bi-Amr Allah. Das Ministerium nennt sie die viertälteste Moschee Ägyptens und nach der Ibn-Tulun-Moschee die zweitgrößte. Der Bau begann 990 unter Kalif al-Aziz, dem Vater al-Hakims; er starb vor der Vollendung, und al-Hakim schloss die Arbeit 1013 ab. Ursprünglich lag die Moschee außerhalb der Stadtmauer, erst die Mauer von 1087 schloss sie ein.
Auffällig ist das vorspringende Portal an der Westfassade, das nach Angaben des Ministeriums zu den ältesten Beispielen dieser Art zählt und von der Großen Moschee von Mahdia in Tunesien beeinflusst ist. Zwei Minarette flankieren die Fassade, vier Arkaden umgeben den Hof. Während des französischen Feldzugs diente die Moschee als Kaserne, die Minarette als Wachtürme; später richtete man in der Gebetshalle ein Museum für islamische Kunst ein. Der Eintritt ist frei.
Was zeigt die Al-Aqmar-Moschee?
Die Al-Aqmar-Moschee ließ Kalif al-Amir bi-Ahkam Allah 1125 unter Aufsicht des Wesirs al-Mamun al-Bataihi errichten. 1397 erneuerte sie Prinz Yalbugha al-Salmi unter Sultan Barquq. Ihre Steinfassade gehört zu den ältesten erhaltenen Steinfassaden Ägyptens: reiche Schnitzereien, wiederholt der Name „Muhammad und Ali“, dazu Koranverse in Kufi-Schrift. Die Fassade folgt der Straßenflucht, während das Innere nach Mekka ausgerichtet bleibt. Auch das Koptische Museum in Alt-Kairo nahm sich die Fassade zum Vorbild, mit biblischen Versen und christlichen Motiven statt islamischer. Der Eintritt ist frei.
Welche Bauten der Mamluken lohnen den Besuch?
Das Herz der Straße bilden drei Anlagen aus der Mamlukenzeit, die direkt nebeneinanderliegen.
Der Komplex von Sultan Qalawun entstand 1283 bis 1284 und vereint Moschee, Schule, Mausoleum und Krankenhaus. Das Krankenhaus, ein „Bimaristan“ (persisch: „Haus der Kranken“), behandelte laut Ministerium auch Menschen mit psychischen Leiden und arbeitet heute als Augen- und Zahnklinik. Die Eingänge sind mit geometrischen und floralen Mustern, Gold und Silber geschmückt.
Daneben folgt die Moschee und Medrese von al-Nasir Muhammad. Der Bau begann 1296 unter Sultan Katbugha und wurde zwischen 1298 und 1303 unter al-Nasir Muhammad vollendet. Erhalten sind nur zwei der Iwane; der Marmoreingang soll das Tor einer Kirche in Akko gewesen sein. Im Mausoleum rechts der Tür ruhen unter vergoldeten Holzgittern die Mutter des Sultans, Prinzessin Aslabai, und sein Sohn Anok. Das quadratische Minarett trägt andalusisch geprägten Dekor.
Die Medrese und Khanqah von Sultan Barquq (1384 bis 1386) lehrte alle vier sunnitischen Rechtsschulen, neben der Schule gehören Moschee, Sufi-Kloster und Mausoleum zur Anlage. In der Grabkuppel liegen der Vater des Sultans, mehrere Frauen und einige Söhne. Farbiger Marmor, ein hölzerner Predigtstuhl und ein Minarett über dem Eingang prägen den Bau.
Was ist der Komplex von Sultan al-Ghuri?
Weiter südlich liegt der Komplex von Sultan Qansuh al-Ghuri, der von 1501 bis 1516 regierte und bei der Schlacht von Marj Dabiq gegen die Osmanen fiel. Der Komplex entstand 1503 bis 1504. Er besteht aus einer Moschee mit Medrese auf der einen und dem Mausoleum, einer Khanqah, einem Sabil (öffentlicher Trinkbrunnen), einer Koranschule und einem Schlafsaal auf der anderen Straßenseite. Ein Holzdach überspannt die Gasse und verbindet beide Hälften; darunter liegt ein Markt für Stoffe und Kleidung.
Im Hof im Südosten wurde Tumanbay nach seiner Hinrichtung am Bab Zuwayla bestattet, später überführte man seine Gebeine. Al-Ghuri selbst liegt nicht im Mausoleum, da er in der Levante starb. Die Khanqah beeindruckt mit einer vergoldeten, geschnitzten Holzdecke.
Was ist Bayt al-Suhaymi?
Das Haus Bayt al-Suhaymi liegt in der Gasse Darb al-Asfar im Viertel Gamaliya, nahe der Hauptstraße. Der erste Teil entstand 1648 unter Scheich Abd al-Wahhab al-Tablawi, den zweiten Teil baute Haji Ismail Chelebi 1796 und verband beide zu einem Haus. Benannt ist es nach seinem letzten Bewohner, Scheich Muhammad Amin al-Suhaymi, einem hohen Gelehrten und Vorsteher des türkischen Riwaq der Al-Azhar-Moschee. 1931 verkauften die Erben das Haus für 6.000 Pfund an das Komitee zur Erhaltung arabischer Altertümer.
Mehrere Gebäude gruppieren sich um einen großen Hof. Zu sehen sind Holzgitterfenster (Maschrabiyya), ein großer Sitzbalkon (Maq’ad), ein eingerichteter Empfangsraum, ein Gebärstuhl, ein Bad und Brunnen, außerdem ein Schöpfrad mit erhaltenem Holzgetriebe und eine Mühle, die ein Stier antrieb. So zeigt das Haus anschaulich, wie eine wohlhabende Familie im osmanischen Kairo lebte.
Was ist der Sabil-Kuttab von Katkhuda?
An der Kreuzung der Al-Muizz-Straße mit der Tambakshiya-Straße steht der Sabil-Kuttab, den der osmanische Offizier Abd al-Rahman Katkhuda 1744 stiftete. Im Erdgeschoss gab ein Sabil Trinkwasser aus; drei Fassaden mit Kupferfenstern waren von Marmorbecken für Trinkbecher umgeben. Innen verkleiden Fayence-Fliesen mit osmanischen Blumenmustern die Wände, einige zeigen die Große Moschee von Mekka und Koranverse. Darüber unterrichtete die Kuttab-Schule Waisenkinder in Koran und Prophetenüberlieferung.
Wie plant man den Rundgang?
Wegen der vielen Denkmäler braucht der Weg deutlich mehr Zeit, als die Strecke vermuten lässt. Das Ministerium nennt tägliche Öffnungszeiten von 9 bis 17 Uhr für die Straße, einzelne Denkmäler schließen bereits um 16 Uhr (Stand: Oktober 2026). Planen Sie, die Moscheen nicht zu den Gebetszeiten zu betreten, und tragen Sie bedeckende Kleidung; in Moscheen werden die Schuhe ausgezogen.
Am Südende schließt sich der Basar an. Wer den Tag erweitern möchte, geht anschließend zum Khan el-Khalili oder fährt zur Zitadelle und zur Moschee von Sultan Hassan. Wer die christliche Seite der Stadt sehen will, findet sie im Koptischen Kairo.
Welche Tickets brauche ich?
Das Ministerium bietet ein Einheitsticket an. Es gilt für den Qalawun-Komplex, die Moschee und den Sabil von Sulayman Agha al-Silahdar, die Al-Kamil-Schule, die Moschee und Medrese von al-Nasir Muhammad, die Moschee von Barquq, den Tempel Musa ibn Maimun, das Bad Hammam Inal und den Palast von Amir Bishtak. Nicht eingeschlossen sind Bayt al-Suhaymi und die Wekalet Bazaraa, die eigene Preise haben. Die Preise ändern sich; prüfen Sie sie vor dem Besuch auf der Seite des Ministeriums.
Was bedeutet die UNESCO-Listung?
Das Historische Kairo steht seit 1979 auf der Welterbeliste. Zu den Bestandteilen zählen laut Ministerium Fustat mit dem Nilometer auf der Insel Roda, die Moschee des Amr ibn al-As, die Hängende Kirche und die Ben-Esra-Synagoge, die Ibn-Tulun-Moschee, die Zitadelle, der fatimidische Kern von Kairo mit seiner Nekropole sowie die Nekropolen von Imam al-Shafii, Sayyida Nafisa und Qaytbay. Die Al-Muizz-Straße gehört zum fatimidischen Kern. Einen Überblick über Glaube und Gebräuche im Land bietet die Seite zu Religion und Glaube.
Häufige Fragen zur Al-Muizz-Straße
Wie lang ist die Al-Muizz-Straße?
Die Straße verbindet Bab al-Futuh im Norden mit Bab Zuwayla im Süden. Entscheidend ist weniger die Länge als die Zahl der Denkmäler: Das Ministerium zählt 29.
Wo beginnt man am besten den Rundgang?
Am Nordende bei Bab al-Futuh und der Al-Hakim-Moschee. Von dort geht es nach Süden bis Bab Zuwayla.
Kostet der Besuch Eintritt?
Die Straße selbst ist ein lebendiges Viertel. Für einzelne Denkmäler gibt es ein Einheitsticket; Bab al-Futuh, Al-Aqmar- und Al-Hakim-Moschee sind frei. Bayt al-Suhaymi hat ein eigenes Ticket.
Gehört die Straße zum UNESCO-Welterbe?
Ja, sie liegt im fatimidischen Kern des Historischen Kairo, das seit 1979 auf der Welterbeliste steht.
Was ist ein Sabil-Kuttab?
Ein Gebäude mit zwei Aufgaben: unten ein Trinkwasserspender für Passanten (Sabil), darüber eine Koranschule für Kinder (Kuttab).
