Kurz erklärt: Alexandria besitzt zwei staatliche Museen, die zusammen die Geschichte der Stadt erzählen: das Nationalmuseum im Palast des Asaad Basili Pascha, eröffnet 2003, und das 1892 gegründete Griechisch-Römische Museum, das einzige Museum, das ganz der Zeit der griechischen und römischen Herrschaft in Ägypten gewidmet ist. Hinzu kommen die Schatby-Nekropole und die Funde der versunkenen Städte in der Abukir-Bucht.
Welche Museen gibt es in Alexandria?
Zwei Häuser prägen das Bild: das Nationalmuseum von Alexandria und das Griechisch-Römische Museum. Beide ergänzen sich. Das eine zeigt Ägypten vom Beginn der Geschichte bis in die Neuzeit, das andere die Jahrhunderte, in denen Griechen und Römer das Land regierten. Wer Alexandria nur als Hafenstadt am Mittelmeer kennt, findet hier den Zugang zur antiken Stadt.
Wer Pharaonen, Mumien und Tutanchamun sucht, ist in Kairo besser aufgehoben: im Ägyptischen Museum und im Großen Ägyptischen Museum. Alexandrias Museen erzählen eine andere Geschichte, die der Ptolemäer, der Römer und des Hafens, über den Ägypten mit dem Mittelmeerraum verbunden war.
Was zeigt das Nationalmuseum?
Das Gebäude wurde als Palast für Asaad Basili Pascha errichtet, einen der reichsten Männer Alexandrias, der es im italienischen Stil entwarf. 1996 erwarb der Oberste Rat für Altertümer das Anwesen und baute es zu einem archäologischen Museum um. Seit 2003 ist es für Besucher geöffnet.
Die Sammlung zeigt das kulturelle Erbe der ägyptischen Kunst und des Kunsthandwerks von der Vorgeschichte bis in die Neuzeit. Zu den bemerkenswertesten Beständen gehört eine seltene Gruppe versunkener Altertümer, die bei Grabungen in der Abukir-Bucht geborgen wurden. Dazu kommen ein Münzsaal mit Prägungen aus verschiedenen Epochen und eine ungewöhnliche Ausstellung islamischer Waffen. Die Galerien zeigen außerdem Metallarbeiten, Keramik und Glas sowie Gold, Silber und Schmuck, der einst der Familie von Muhammad Ali Pascha gehörte. Zu den Einzelstücken zählt eine unvollständige, an der Oberfläche verwitterte Sphinx aus schwarzem Granit aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Weiteren Schmuck der Dynastie zeigt das Königliche Schmuckmuseum.
Was waren die Geheimnisse der versunkenen Stadt?
Im Nationalmuseum wurde die Sonderausstellung „Geheimnisse der versunkenen Stadt“ eröffnet. Sie zeigte 86 Fundstücke aus den Städten Kanopus und Herakleion in der Abukir-Bucht östlich von Alexandria und lief sechs Monate. Gleichzeitig wurde die Museumsbibliothek eröffnet, die 1.100 Bücher enthält, darunter Werke zu griechischer, römischer, koptischer, islamischer und moderner Zeit sowie Fachliteratur zu Restaurierung und Konservierung.
Die Ausstellung war Teil von Aktionstagen zum Unterwasser-Kulturerbe in mehreren Museen und archäologischen Stätten des Gouvernements Alexandria. Wer heute das Museum besucht, sollte vor Ort nachfragen, welche der Fundstücke aus der Abukir-Bucht in der Dauerausstellung zu sehen sind.
Warum liegen Städte in der Abukir-Bucht unter Wasser?
Die Abukir-Bucht liegt etwa 22 Kilometer östlich der Stadtgrenze von Alexandria. 1859 erkannte Prinz Omar Toussoun mit Hilfe von Fischern und Tauchern dort unter Wasser die Reste gewaltiger antiker Bauwerke. 1961 dokumentierte Kamel Aboul-Saadat zahlreiche Fundstücke und Schiffswracks und trug ihre Lage auf einer ersten Karte ein, die er dem Griechisch-Römischen Museum übergab. Danach fand bis 1985 keine weitere Erkundung statt. Dann suchte ein französisches Team unter Jacques Dumas die Wracks der Flotte Napoleons und kartierte mit Hilfe von Aboul-Saadat mehrere versunkene Schiffe, darunter L’Orient, das Flaggschiff Napoleons, das im Gefecht explodierte, sowie La Sérieuse und Le Guerrier. Die Expedition endete mit dem plötzlichen Tod von Dumas.
1996 nahm das Europäische Institut für Unterwasserarchäologie (IEASM) unter Franck Goddio die Arbeit mit moderner Sonar- und Magnetmessung wieder auf. Es entstanden genaue Karten der versunkenen Flotte Napoleons mit sechs Kriegsschiffen sowie der verlorenen Städte Thonis-Herakleion und Kanopus.
Was sind Kanopus und Thonis-Herakleion?
Kanopus (Ost-Kanopus) liegt zwei Kilometer nördlich der Küste von Abukir in vier bis fünf Metern Tiefe. Es war ein religiöses und Handelszentrum, das mit ägyptischen und griechischen Göttern verbunden war. Thonis-Herakleion wurde sechs Kilometer nordöstlich von Abukir entdeckt, überdeckt von fünf bis sieben Metern Wasser. Die Stadt war einst ein bedeutender Hafen, noch vor Alexandria, und verschwand durch Erdbeben und den steigenden Meeresspiegel.
Gefunden wurden Münzen aus Mittelmeerländern, die Napoleons Flotte besuchte, sowie Statuen, Tempel und Waffen aus pharaonischer, griechischer und römischer Zeit. Auch die Seeschlacht von Abukir 1798, in der Nelson die Flotte Napoleons besiegte, fand in dieser Bucht statt. Die versunkenen Städte zeigen Ägyptens verlorene Verbindungen zur griechischen und römischen Welt.
Wie entstand das Griechisch-Römische Museum?
Das Griechisch-Römische Museum ist eines der wichtigsten Kulturdenkmäler Ägyptens und das erste Gebäude des Landes, das eigens für die Bewahrung und Ausstellung von Altertümern entworfen wurde. Es ist bis heute das einzige Museum, das ganz der Kultur Ägyptens in griechischer und römischer Zeit gewidmet ist.
Die Idee entstand 1889 mit dem italienischen Gelehrten Giuseppe Botti, der die Altertümer Alexandrias vor Verlust und Zerstörung schützen wollte. Auf seine Bemühungen hin wurde das Museum 1892 offiziell gegründet und von Khedive Abbas Hilmi II. eröffnet. Der erste Standort war ein bescheidenes gemietetes Haus; die wachsende Zahl der Funde machte bald einen größeren Bau nötig. 1894 legte Nubar Pascha den Grundstein für ein neoklassizistisches Gebäude der Architekten Dietrich und Stenon. Der Bau war nach nur einem Jahr fertig, und das Museum öffnete 1895 erneut. Seit 1953 leiten ägyptische Archäologen die Einrichtung.
Mehrere Erweiterungen und Renovierungen folgten, die jüngste begann 2005 und setzte sich nach 2015 fort. Sie brachte ein neues Obergeschoss, neu gestaltete Innenräume und moderne Präsentationsformen.
Welche Stücke besitzt das Griechisch-Römische Museum?
Eine Statue aus schwarzem Basalt zeigt eine vergöttlichte ptolemäische Königin im ägyptischen Stil und im Gewand der Isis. Sie wurde 1989 aus dem Wasser der Abukir-Bucht geborgen. Die Königin trägt eine kurzärmelige Tunika und einen gefransten Mantel, dessen Enden zum traditionellen Isisknoten zwischen den Brüsten geschlungen sind, dazu Sandalen. In der rechten Hand hält sie das Lebenszeichen Anch, in der linken ein Füllhorn mit Trauben und Früchten als Sinnbild für Fruchtbarkeit und Fülle. Isis war mit der Nilflut und der Fruchtbarkeit des Landes verbunden. Dass Königinnen sich als Isis darstellen ließen, ist seit mindestens Ptolemaios II. ein wiederkehrender Brauch der Dynastie. Mehr zu den Göttern bietet die Seite zu den ägyptischen Göttern.
Zur Sammlung gehören außerdem Goldobjekte: ein Wedjat-Augenamulett aus dem 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr., eine halbrunde Goldmünze mit Adler und dem Kopf von Ptolemaios I. aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und eine flache Opferschale (Phiale) aus dem 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr. Eine birnenförmige Amphore aus Ton mit zwei Henkeln stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.
Was ist die Schatby-Nekropole?
Die hellenistische Nekropole von Schatby liegt im Stadtteil Schatby im Herzen des heutigen Alexandria und umfasst 3.500 Quadratmeter. Der Friedhof wurde ab dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. genutzt, wenige Jahrzehnte nach der Gründung der Stadt durch Alexander den Großen, und blieb drei Jahrhunderte lang in Gebrauch. Ausgegraben wurde er bei systematischen Grabungen zwischen 1904 und 1910 unter Evaristo Breccia, dem Direktor des Griechisch-Römischen Museums. Nach Jahrzehnten des Verfalls wurde die Stätte von der Archäologischen Gesellschaft Alexandrias mit Unterstützung der A. G. Leventis-Stiftung restauriert und aufgewertet.
Die Nekropole lieferte Grabsteine, Urnen für Brandbestattungen, kleine Skulpturen, Münzen, Glas und viel Keramik. Sie ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet (Stand: Oktober 2026). Breccia leitete zur Zeit der Grabungen das Griechisch-Römische Museum.
Wann haben die Museen geöffnet?
Das Nationalmuseum ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, die Kasse schließt um 16 Uhr; im Ramadan gelten 9 bis 15 Uhr, die letzte Eintrittskarte wird um 14 Uhr verkauft. Das Griechisch-Römische Museum ist Sonntag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr geöffnet, die Kasse schließt um 16.30 Uhr; an einzelnen Tagen gelten verlängerte Abendzeiten bis 20 Uhr. Im Ramadan ist von 9 bis 16 Uhr geöffnet, letzter Einlass 15 Uhr. Alle Zeiten gelten mit Stand Oktober 2026; die Ausstellungstage und Abendöffnungen ändern sich, deshalb prüfen Sie sie vor dem Besuch.
Freien Eintritt haben ägyptische Senioren ab 60 Jahren, Menschen mit Behinderung, Waisenkinder, angemeldete Schulklassen und Kinder unter sechs Jahren. Im Griechisch-Römischen Museum gibt es Aufzug, rollstuhlgerechten Eingang, barrierefreie Toiletten, ein Café und Beschriftungen in Brailleschrift. Das Nationalmuseum hat Aufzug, Rolltreppe, Geschäft, Parkplatz und rollstuhlgerechten Eingang.
Was sollten Sie im Museum beachten?
Im Nationalmuseum dürfen Ausstellungsstücke und Vitrinen nicht berührt werden, Essen und Getränke sind in den Galerien nicht erlaubt (kleine Wasserflaschen ausgenommen), Rauchen ist verboten, und angemessene Kleidung wird erwartet. Fotos mit dem Mobiltelefon sind kostenlos, Blitz und Stative sind nicht erlaubt. Große Rucksäcke, Gepäck und Pakete über 40 mal 40 Zentimeter müssen in die Garderobe, ebenso Regenschirme und scharfe Gegenstände. Kinder müssen immer von einem Erwachsenen begleitet werden. Die Hinweise sind für alle Besucher sinnvoll, die mehrere Stunden in den Sälen verbringen.
Häufige Fragen zu den Museen in Alexandria
Welche Museen in Alexandria lohnen sich?
Das Nationalmuseum im Palast des Asaad Basili Pascha und das Griechisch-Römische Museum, dazu die Schatby-Nekropole und das Königliche Schmuckmuseum.
Wann wurde das Griechisch-Römische Museum gegründet?
1892 wurde es offiziell gegründet, das heutige Gebäude öffnete 1895.
Wann wurde das Nationalmuseum eröffnet?
2003. Der Oberste Rat für Altertümer hatte das Anwesen 1996 erworben.
Wo liegen die versunkenen Städte Kanopus und Herakleion?
In der Abukir-Bucht, etwa 22 Kilometer östlich von Alexandria, in vier bis sieben Metern Tiefe.
Wann haben die Museen geöffnet?
Nationalmuseum täglich 9 bis 17 Uhr, Griechisch-Römisches Museum Sonntag bis Donnerstag 9 bis 17 Uhr (Stand: Oktober 2026).
Dürfen Kinder frei hinein?
Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.
