Nubische Tempel am Nassersee

Von der Aegypten.de-Redaktion Aktualisiert: Oktober 2026 9 Min. Lesezeit
Nubische Tempel am Nassersee

Kurz erklärt: Zwischen Assuan und Abu Simbel stehen am Nassersee mehrere nubische Tempel, die beim Bau des Hochdamms in den 1960er-Jahren an neue Plätze versetzt wurden. Dazu zählen Kalabsha, Wadi es-Sebua mit Dakka und Maharraqa sowie Amada mit Derr und dem Grab des Penniut. Alle gehören seit 1979 zum UNESCO-Welterbe.

Was sind die Nubischen Tempel am Nassersee?

Nubien ist eine Region im Süden Ägyptens und im Norden des Sudan. Zwischen Assuan und Abu Simbel liegen mehrere bedeutende Stätten, von denen zehn 1979 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurden. Von Süden nach Norden sind das die Tempel Ramses’ II. in Abu Simbel, Amada, Wadi es-Sebua, Kalabsha, Philae auf der Insel Agilkia, die antiken Granitsteinbrüche mit dem unvollendeten Obelisken in Assuan, der Islamische Friedhof, die Ruinen der antiken Stadt Elephantine, das Simeonskloster und die Gräber aus Altem und Mittlerem Reich in Assuan, die sogenannten Gräber der Edlen.

Passend dazu: der Speos des Horemheb in Gebel el-Silsila, ein weiterer Felstempel in Oberägypten.

Diese Seite widmet sich den Tempeln am See, die nicht im Hauptstrom der Touristenrouten liegen: Kalabsha, Wadi es-Sebua mit Dakka und Maharraqa sowie Amada mit Derr und dem Grab des Penniut. Alle haben eine gemeinsame Geschichte: Sie standen ursprünglich anderswo und wurden vor dem steigenden Wasser gerettet. Die großen Nachbarn finden Sie auf den eigenen Seiten zu Abu Simbel und zum Philae-Tempel.

Warum mussten die Tempel versetzt werden?

Der Bau des Hochdamms bei Assuan in den 1960er-Jahren bedrohte die Denkmäler Nubiens mit der Überflutung. Sie konnten gerettet werden, weil die UNESCO von 1960 bis 1980 eine internationale Kampagne durchführte. Alle diese Stätten wurden wegen ihrer großen historischen Bedeutung versetzt: abgebaut an ihren ursprünglichen Standorten und an neuen Plätzen wieder aufgebaut. Zum Damm selbst lesen Sie die Seite zum Assuan-Staudamm, zum See die Seite zum Nassersee.

Wer heute vor diesen Tempeln steht, sieht also keine Anlagen an ihrem ursprünglichen Platz, sondern Bauwerke an neuen Standorten, deren Namen oft mit „Neu“ beginnen: New Kalabsha, New Wadi es-Sebua, New Amada. Die Entfernungen sind klein: Wadi es-Sebua liegt nur 4 Kilometer nordwestlich der alten Stätte, Amada wurde rund 2,5 Kilometer vom ursprünglichen Ort entfernt neu errichtet.

Was ist der Kalabsha-Tempel?

Der Tempel von Kalabsha ist einer der größten frei stehenden Tempel Unternubiens und bemerkenswert gut erhalten. Er entstand unter Augustus (30 v. Chr. bis 14 n. Chr.), dem ersten römischen Kaiser, und war vor allem dem nubischen Gott Mandulis gewidmet. Auch Isis und ihr Gatte Osiris wurden hier verehrt.

Der Grundriss folgt dem üblichen Muster: Ein monumentales Tor (Pylon) führt in einen offenen Vorhof und weiter in eine Säulenhalle. Dahinter folgen zwei quer liegende Kammern, die als Opferräume dienten, und am Ende das Allerheiligste, in dem das Kultbild des Gottes stand. Südwestlich liegt eine teils in den Fels geschlagene Kapelle für den nubischen Gott Dedwen, nordöstlich eine kleine Kapelle, die wahrscheinlich Ptolemaios IX. im 2. Jahrhundert v. Chr. errichten ließ.

Welche Kulturen haben in Kalabsha Spuren hinterlassen?

Viele Kulturen haben ihre Spuren am Tempel hinterlassen. Der Tempel wurde einem nubischen Gott geweiht, und es gibt Inschriften in meroitischer und in griechischer Sprache. Die schlanken Säulen und ihr weiter Abstand deuten auf den Einfluss griechisch-römischer Bautradition hin. Mehrere Kreuze an den Wänden zeigen, dass das Heiligtum zur Kirche wurde, als das Christentum die Region erreichte.

Von 1962 bis 1963 wurde der Tempel wie viele andere in Nubien von der Insel Kalabsha auf die Insel Neu-Kalabsha versetzt, um ihn vor dem steigenden Wasser nach dem Bau des Hochdamms zu schützen. Er ist täglich von 7 bis 16 Uhr geöffnet (Stand: Oktober 2026). Wenn Sie einen Eindruck von der Vielfalt der Götterwelt im Niltal gewinnen wollen, lesen Sie die Seite zu den ägyptischen Göttern.

Was ist der Amada-Tempel?

Der Tempel von Amada stammt aus der 18. Dynastie des Neuen Reiches (etwa 1550 bis 1295 v. Chr.) und ist einer der ältesten ägyptischen Bauten am Ufer des Nassersees. Seine Reliefs und Inschriften sind sehr gut erhalten, weil sie mit einer Putzschicht überzogen waren, als der Tempel zur Kirche umgebaut wurde. An dem Tempel bauten drei Generationen von Königen: Thutmosis III. (etwa 1479 bis 1425 v. Chr.) und sein Sohn Amenophis II. (etwa 1427 bis 1400 v. Chr.) errichteten den Kern, Thutmosis IV. (etwa 1400 bis 1390 v. Chr.) fügte die Säulenhalle davor hinzu. In der 19. Dynastie kamen kleine Ergänzungen hinzu.

Der Tempel ist den Göttern Amun-Re und Re-Harachte gewidmet. Die Wandbilder zeigen den König im Tempelritual und in Begleitung vieler Gottheiten, oft, wie er zu einem dieser beiden mächtigen Götter geführt wird. Auch die Texte sind wichtig: Am unteren Teil der linken Türlaibung steht ein Bericht über Feldzüge des Königs Merenptah der 19. Dynastie (etwa 1213 bis 1203 v. Chr.), und an der Rückwand des Heiligtums hat Amenophis II. seinen erfolgreichen Feldzug in die Levante festgehalten.

Wo steht Amada heute?

Der Amada-Tempel stand ursprünglich in Amada und wurde rund 2,5 Kilometer vom alten Platz entfernt in Neu-Amada wieder aufgebaut. Neu-Amada liegt etwa 160 Kilometer südlich von Assuan. Dort stehen heute auch der Tempel von Derr und das Grab des Penniut, die ebenfalls vor dem Wasser gerettet wurden. Alle drei gehören seit 1979 zum Welterbe. Der Tempel ist täglich von 7 bis 16 Uhr geöffnet (Stand: Oktober 2026).

Im Vergleich zu den großen Tempeln im Niltal ist Amada ein Ort, an dem man sich Zeit nehmen kann, die Reliefs zu lesen. Wer die Besichtigung als Abschnitt einer Nassersee-Reise einplant, erlebt dabei die Zeit vor Ramses II. Mehr zum See und seinen Routen lesen Sie auf der Seite zur Nassersee-Kreuzfahrt.

Wer war Penniut?

Penniut war ein hoher Beamter unter König Ramses VI. (etwa 1143 bis 1136 v. Chr.) der 20. Dynastie. Sein Grab steht heute in Neu-Amada, lag aber ursprünglich 25 Kilometer westlich in Aniba. Wegen der schönen Ausschmückung und seines historischen Wertes wurde es 1964 vor dem steigenden Wasser des Nassersees gerettet. Penniut war Stellvertreter von Wawat, wie die Ägypter Unternubien nannten, und damit eine Schlüsselfigur der Verwaltung. Außerdem war er Aufseher des Horus-Tempels von Aniba, wo seine Frau Takha Sängerin war.

Das Grab zeigt seinen hohen Rang. Auf der Ostwand (rechts) ist der König dargestellt, eine sehr große Ehre. Die Szene ist leider schlecht erhalten und zeigt, wie Ramses VI. (die Figur ist zerstört) Penniut belohnt, weil er, wie die Beischrift verrät, eine Statue des Königs in Auftrag gegeben hatte. Eine weitere Inschrift nennt den Tempel Ramses’ II. in Derr. An den übrigen Wänden verehrt Penniut verschiedene Gottheiten, dazu gibt es viele Szenen aus dem Totenbuch, die ihm und Takha ein glückliches Leben im Jenseits sichern sollten. In einer Nische in der Mitte der Nordwand stehen drei Figuren aus dem Fels, die mittlere ist eine kuhköpfige Göttin.

Was ist Wadi es-Sebua?

Neu-Wadi es-Sebua entstand durch die Versetzung nubischer Tempel nach dem Bau des Hochdamms. Es liegt nur 4 Kilometer nordwestlich der ursprünglichen Stätte und nahm mehrere Tempel auf, die sonst im Wasser versunken wären. Hier stehen drei Tempel: der ramessidische Tempel von Wadi es-Sebua für Amun-Re und Re-Harachte, der griechisch-römische Tempel von Dakka für Thot und der römische Tempel von Maharraqa für das Götterpaar Isis und Serapis. Auch sie wurden 1979 als Teil der Nubischen Denkmäler in die Welterbeliste aufgenommen. Die Anlage ist täglich von 7 bis 16 Uhr geöffnet (Stand: Oktober 2026).

Wer die drei Tempel nacheinander besucht, sieht, wie verschieden die Götterwelt Nubiens im Lauf der Jahrhunderte war: Neben dem Gott Amun-Re steht Thot und das Götterpaar Isis und Serapis. Die Tempel zeigen so, wie sich Kulte vermischten und verschoben.

Wie besuchen Sie die Tempel?

Die Tempel liegen weit auseinander und abseits der klassischen Badeorte. Die Seite zur Nassersee-Kreuzfahrt beschreibt die Routen auf dem See. Die Öffnungszeiten von Kalabsha, Wadi es-Sebua und Amada sind identisch: täglich 7 bis 16 Uhr (Stand: Oktober 2026). Rechnen Sie für jede Stätte mit etwa einer Stunde.

Zum Schutz der Reliefs sollten Sie nichts berühren und nicht auf Mauern klettern. Nehmen Sie Wasser, Sonnenschutz und feste Schuhe mit; die Wege führen über Sand und Stein. Wer die Tempel in einen größeren Zusammenhang stellen möchte, liest anschließend die Seiten zu Kom Ombo und zum Horus-Tempel von Edfu, die beide am Nil zwischen Luxor und Assuan liegen. Für die Planung der Stadt Assuan hilft die Seite zu Assuan.

Geheimtipp: Planen Sie die Tempel wie eine kleine Epochenreise: Amada zeigt die 18. Dynastie, Wadi es-Sebua die Ramessidenzeit, Kalabsha die römische Kaiserzeit. Wer die drei in dieser Reihenfolge besucht, versteht, wie lange Nubien religiös und politisch mit Ägypten verbunden blieb.
Die Route verbinden: Die Tempel lassen sich mit Abu Simbel und dem Philae-Tempel zu einer Nubien-Reise verbinden. Wie eine Fahrt über den See abläuft, lesen Sie auf der Seite zur Nassersee-Kreuzfahrt.

Häufige Fragen zu den Nubischen Tempeln

Welche Tempel gehören zu den Nubischen Tempeln am Nassersee?

Dazu zählen Kalabsha, Wadi es-Sebua mit Dakka und Maharraqa sowie Amada mit Derr und dem Grab des Penniut.

Wann wurden die Tempel versetzt?

Nach dem Bau des Hochdamms in den 1960er-Jahren, im Rahmen der UNESCO-Kampagne von 1960 bis 1980. Kalabsha wurde 1962 bis 1963 versetzt, das Grab des Penniut 1964.

Wer baute den Amada-Tempel?

Thutmosis III. und Amenophis II. errichteten den Kern, Thutmosis IV. die Säulenhalle davor. Der Tempel gehört zur 18. Dynastie.

Wann haben die Tempel geöffnet?

Kalabsha, Wadi es-Sebua und Amada täglich von 7 bis 16 Uhr (Stand: Oktober 2026).

Gehören die Tempel zum Welterbe?

Ja. Sie wurden 1979 als Teil der Nubischen Denkmäler von Abu Simbel bis Philae aufgenommen.

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