Kurz erklärt: Am Westufer des Nils in Assuan liegen zwei Stätten, die oft übersehen werden: die Felsgräber von Qubbet el-Hawa, Ruhestätten der Gaufürsten aus Altem und Mittlerem Reich, und das Kloster Anba Hadra, das als Simeonskloster bekannt ist. Beide gehören seit 1979 zum Welterbe der Nubischen Denkmäler, ebenso der Islamische Friedhof am östlichen Stadtrand.
Was ist Qubbet el-Hawa?
Qubbet el-Hawa (auch Qubbat al-Hawa) ist ein Friedhof am Westufer des Nils, gegenüber der Nordspitze der Insel Elephantine. Mehrere Gräber sind hier in die felsigen Hänge der Klippen geschlagen, und sie bieten ein bezauberndes Panorama über die Schönheit Assuans. Der Name stammt vom Kuppelgrab des Scheichs Aly Abu al-Hawa auf der Klippe oberhalb der Gräber; „Qubba“ bedeutet Kuppel.
Passend dazu: die Felskapellen und Stelen von Gebel el-Silsila am Nil.
Die Gräber gehören Gaufürsten und hohen Würdenträgern aus dem Alten und dem Mittleren Reich. Der Friedhof wurde vom Alten Reich bis in die römische Zeit genutzt. Das macht ihn zu einer langen Chronik der Region: Wer hier steht, sieht, wie über viele Jahrhunderte die Elite des Ortes ihre Toten über dem Fluss bestattete. Die Gräber werden auch als „Gräber der Edlen“ bezeichnet und stehen auf der Welterbeliste in der Gruppe der Altes- und Mittleres-Reich-Gräber von Assuan.
Wie unterscheiden sich die Gräber von Königsgräbern?
Die Gräber sind keine Königsgräber, sondern Anlagen hoher Beamter. Sie unterscheiden sich deshalb von den Gräbern im Tal der Könige und passen besser zu den Grabkapellen der Gaufürsten, die Sie auf der Seite zu Beni Hasan kennenlernen. In beiden Fällen handelt es sich um Gaufürsten und Würdenträger.
Was ist das Simeonskloster?
Das Kloster, das als Simeonskloster bekannt ist, heißt eigentlich Dayr Anba Hadra. Es trägt den Namen eines örtlichen Heiligen (koptisch Apa Hatre), der im späten 4. und frühen 5. Jahrhundert n. Chr. zunächst als Mönch lebte und schließlich Bischof von Syene, dem antiken Assuan, wurde. Jedes Jahr am 21. Dezember (12. Kiahk im koptischen Kalender), dem Todestag von Anba Hadra, findet am Ort ein religiöses Fest statt. Wer der heilige Simeon war, nach dem das Kloster heute oft benannt wird, und welche Verbindung er zum Kloster hatte, ist unbekannt.
Das Besondere des Klosters ist der Erhaltungszustand: Unter den historischen Klöstern Ägyptens fällt es durch seine gut erhaltenen Originalbauten aus Stein und Lehmziegeln auf. Zwar verfielen die Gebäude nach und nach, nachdem das Kloster aufgegeben worden war, doch die erhaltene Architektur gibt noch einen guten Eindruck davon, wie ein Gemeinschaftskloster im mittelalterlichen Oberägypten aussah. Die Funde belegen religiöse Aktivität vom 6. bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts. Zum größeren Zusammenhang lesen Sie die Seite zu Religion und Glaube und zum christlichen Erbe das Koptische Kairo.
Wie ist das Kloster aufgebaut?
Eine hohe Umfassungsmauer mit zwei Toren umgibt das Kloster. Die Anlage erstreckt sich über zwei Ebenen, eine untere und eine obere Terrasse, die ein felsiger Abhang trennt. Auf der unteren Terrasse stehen eine Kirche und eine Reihe kleiner höhlenartiger Räume, die später zum Kloster gehörten. Der bedeutendste unter ihnen ist die Grotte, die Anba Hadra zugeschrieben wird.
Die obere Terrasse beherrscht ein zweigeschossiges Wohngebäude mit gemeinschaftlichen Zellen, wie es für ein Gemeinschaftskloster typisch ist. Dazu kommen ein Refektorium, Vorratsräume, Ölpressen, Backöfen und ein weitläufiger Werkstattbereich, in dem die Mönche ihren Lebensunterhalt innerhalb der Klostermauern sichern konnten. Wer die Anlage durchschreitet, sieht, dass ein Kloster hier eine kleine, weitgehend selbstversorgte Welt war.
Welche Malereien und Graffiti gibt es?
Kirche und Grotte zeichnen sich durch Reste farbiger Wandmalereien aus, die einige Wände und Decken noch schmücken. In manchen Zellen der oberen Ebene und an Teilen der Kirchenwände finden sich außerdem koptische und arabische Graffiti, die Besucher und Mönche hinterlassen haben. Sie stammen von Besuchern und von den Mönchen selbst.
Für den Besuch heißt das: Schauen Sie nicht nur auf die Architektur, sondern auch auf die Wände. Die Malereien sind empfindlich; berühren Sie sie nicht, und achten Sie auf die Hinweise vor Ort.
Was ist der Islamische Friedhof von Assuan?
Der Islamische Friedhof liegt auf der Ostseite der Stadt und ist einer der ältesten Friedhöfe der muslimischen Welt. Er besteht aus zwei Gräberfeldern, einem im Norden und einem im Süden. Das trockene Klima trug zur Erhaltung bei. Der Friedhof stammt aus dem 2. Jahrhundert nach der Hidschra und wurde bis in die Mamlukenzeit genutzt.
Hier wurde in der Fatimidenzeit der erste Versuch in Ägypten unternommen, Kuppeln über Mausoleen zu bauen. Zu den wichtigsten Bauten zählen die Kuppel der siebenundsiebzig Heiligen (Walis) und die Mashhads, also Mausoleen, von al-Sharif Hassan, al-Sharif Hedra, Abbasa Bint Khadij, al-Sada al-Gaafera, Zainab bint al-Hanafiyya und Sayyida Amna im Südfriedhof. Er gehört ebenfalls zur Gruppe der Nubischen Denkmäler.
Welche Stätten gehören zum Welterbe in Assuan?
Die UNESCO nahm 1979 zehn Stätten der Region zwischen Assuan und Abu Simbel in die Welterbeliste auf. Zu den Stätten rund um Assuan gehören die antiken Granitsteinbrüche mit dem Unvollendeten Obelisken, der Islamische Friedhof, die Ruinen der antiken Stadt Elephantine, das Simeonskloster und die Gräber der Edlen aus dem Alten und Mittleren Reich. Hinzu kommen Philae und die Tempel am See.
Für Besucher ergibt sich daraus eine Art Fahrplan: Die Welterbe-Stätten lassen sich nach Lage gruppieren, etwa Westufer (Gräber und Kloster), Ostufer (Islamischer Friedhof) und Inseln (Elephantine und Philae). Wer wenig Zeit hat, wählt eine Gruppe pro Tag.
Welches Museum ergänzt den Besuch in Assuan?
Das Nubische Museum in Assuan entstand als Antwort auf die internationale Rettungsaktion für die nubischen Denkmäler, die die UNESCO 1960 auf Bitten der ägyptischen Regierung startete. Mit dem Aufbau begann man in den frühen 1980er-Jahren; ein Komitee aus Fachleuten der Obersten Antikenverwaltung, ägyptischer Universitäten und der UNESCO bereitete ihn vor. Den Bau entwarf der Architekt Mahmoud al-Hakim, die Innenräume gestaltete der mexikanische Ingenieur Pedro Ramírez Vázquez. Eröffnet wurde das Museum 1997, seine Fassade ist mit örtlichem Sandstein und rosa Granit verkleidet und greift die traditionelle nubische Bauweise auf. 2001 erhielt es den Aga-Khan-Preis für islamische Architektur.
Das Museum hat drei Etagen mit Tausenden Objekten zur Entwicklung der ägyptischen und nubischen Zivilisation. Die große Ausstellungshalle und ein Diorama zeigen lokale Traditionen und Handwerk Nubiens. Der Garten dient als Freilichtmuseum mit einem Teil eines fatimidischen Friedhofs, einer Höhle mit vorgeschichtlichen Felsritzungen, einem Wasserlauf als Sinnbild des Nils und dem Nachbau eines nubischen Hauses. Das Museum ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet (Stand: Oktober 2026). Wer zuerst das Museum besucht und danach die Stätten am Westufer, versteht die Hintergründe der Rettungsaktion besser. Mehr zu den versetzten Tempeln lesen Sie auf der Seite zu den Nubischen Tempeln am Nassersee.
Wie planen Sie den Besuch?
Qubbet el-Hawa ist täglich von 7 bis 16 Uhr geöffnet, das Simeonskloster täglich von 7 bis 17 Uhr (Stand: Oktober 2026). Beide Stätten liegen im Wüstenklima von Assuan: Beginnen Sie früh, tragen Sie Sonnenschutz und feste Schuhe und nehmen Sie ausreichend Wasser mit,. Planen Sie für beide Stätten zusammen etwa einen halben Tag und rechnen Sie Zeit für den Weg über den Nil ein.
Zur Planung einer Fahrt auf dem Nil lesen Sie die Seite zur Nilkreuzfahrt. Für die Einordnung des Flusses und seiner Ufer lesen Sie die Seite zum Nil.
Häufige Fragen zu Qubbet el-Hawa und Simeonskloster
Was ist Qubbet el-Hawa?
Ein Friedhof am Westufer des Nils gegenüber der Nordspitze von Elephantine, mit in den Fels geschlagenen Gräbern von Gaufürsten und Würdenträgern aus Altem und Mittlerem Reich.
Woher hat Qubbet el-Hawa seinen Namen?
Vom Kuppelgrab des Scheichs Aly Abu al-Hawa auf der Klippe oberhalb der Gräber. „Qubba“ bedeutet auf Arabisch Kuppel.
Wer war Anba Hadra?
Ein örtlicher Heiliger, der im späten 4. und frühen 5. Jahrhundert n. Chr. zunächst Mönch und schließlich Bischof von Syene (Assuan) war. Sein Todestag wird am 21. Dezember im Kloster gefeiert.
Wann sind die Stätten geöffnet?
Qubbet el-Hawa täglich von 7 bis 16 Uhr, das Simeonskloster täglich von 7 bis 17 Uhr (Stand: Oktober 2026).
Gehören die Stätten zum Welterbe?
Ja, sie sind Teil der Nubischen Denkmäler von Abu Simbel bis Philae, die 1979 in die UNESCO-Liste aufgenommen wurden.
Wie ist das Simeonskloster aufgebaut?
Eine hohe Mauer mit zwei Toren umgibt es. Eine untere Terrasse mit Kirche und Grotte und eine obere Terrasse mit Wohnbau, Refektorium, Ölpressen, Backöfen und Werkstätten sind durch einen Felsabhang getrennt.
Wie alt ist der Islamische Friedhof von Assuan?
Er stammt aus dem 2. Jahrhundert nach der Hidschra und wurde bis in die Mamlukenzeit genutzt. In der Fatimidenzeit entstand hier der erste Versuch in Ägypten, Kuppeln über Mausoleen zu bauen.
