Tell Basta (Bubastis)

Von der Aegypten.de-Redaktion Aktualisiert: Oktober 2026 9 Min. Lesezeit
Tell Basta (Bubastis)

Kurz erklärt: Tell Basta im östlichen Nildelta ist das antike Bubastis, das ägyptische Per-Bastet, „Haus der Bastet“. Hier stand der Kultort der löwen- und katzengestaltigen Göttin Bastet, zeitweise sogar die Hauptstadt des Landes. Zu sehen sind Reste des Tempels, ein Römischer Brunnen der Heiligen Familie, ein Palast Amenemhats III. und ein Freilichtmuseum.

Was ist Tell Basta?

Tell Basta ist eine Ruinenstätte im östlichen Nildelta, im Gouvernement Scharkia. Der Name geht auf das altägyptische Per-Bastet zurück, das „Haus der Göttin Bastet“. Die Stadt war der Kultort der Göttin, die als Löwin dargestellt wurde und später als Katze. Bastet war die Göttin der weiblichen Fruchtbarkeit mit einer wichtigen Schutzfunktion. Wer sie nur als Katzengöttin kennt, bekommt hier das ältere Bild: ein Raubtier, das schützt.

Passend dazu: die Suezkanal-Museen, auch am Weg der Heiligen Familie.

Die Stätte ist ein Gegenpol zu den großen Besuchsorten in Oberägypten, die Sie auf den Seiten zu Abydos und anderen Tempeln finden. Tell Basta ist ein Ort für Besucher, die gern lesen, was Steine erzählen: Granitblöcke mit Königsnamen, Säulenreste, ein Brunnen, ein Palastgrundriss. Die Seite zu den Pyramiden von Sakkara und Dahschur zeigt, wie anders das pharaonische Ägypten im Norden des Landes aussieht als im Süden.

Warum war Bubastis wichtig?

Per-Bastet war im Neuen Reich (etwa 1550 bis 1069 v. Chr.) die Hauptstadt der 18. unterägyptischen Provinz. Für eine kurze Zeit stieg die Stadt weiter auf: In der 22. Dynastie (etwa 945 bis 715 v. Chr.) war sie die Hauptstadt des ganzen Landes. In dieser Zeit wurde der Tempel der Bastet erweitert und prächtig ausgestattet.

Die Lage im östlichen Delta machte die Stadt zu einem Handelsplatz. Von hier aus zogen Karawanen in Richtung Sinai und darüber hinaus. Zur Einordnung der Dynastien hilft die Seite zur Geschichte Ägyptens.

Wie sah der Tempel der Bastet aus?

Der Tempel gehörte zu den Hauptkultstätten der Göttin. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot, der Per-Bastet im 5. Jahrhundert v. Chr. besuchte, urteilte, dass andere Tempel zwar großartiger wirkten, keiner aber schöner sei als der der Bastet. Das Heiligtum war von zwei Kanälen umgeben und mit Bäumen gesäumt, sodass es einen Blick auf die Stadt eröffnete.

In der 22. Dynastie wurde der Tempel erweitert, und die Baumeister nutzten dabei viel Material früherer Bauten wieder. Die ältesten dieser wiederverwendeten Stücke sind zwei Blöcke aus rotem Granit aus der Regierungszeit der Könige Cheops (etwa 2589 bis 2566 v. Chr.) und Chephren (etwa 2558 bis 2532 v. Chr.) der 4. Dynastie. Man steht also vor Steinen, die schon in der Pyramidenzeit bearbeitet wurden und später in den Tempel einer ganz anderen Epoche eingebaut wurden.

Osorkon I. (etwa 924 bis 889 v. Chr.), der zweite König der 22. Dynastie, setzte die Erweiterungen fort; sein Name erscheint häufig am Eingang des Tempels. Hinter dem Säulenhof stand ein monumentales Tor, das Osorkon II. errichten ließ und das mit Szenen seines Sedfestes (Heb-Sed) bedeckt war. Weiter westlich führte eine lange Kolonnade zu einer Säulenhalle, ebenfalls von Osorkon II., mit Papyrus- und Hathorsäulen. Das westliche Ende mit dem Allerheiligsten erneuerte Nektanebos II. (360 bis 343 v. Chr.), der letzte einheimische König der 30. und letzten Dynastie.

Was war das Sedfest?

Das Sedfest war ein rein königliches Fest. Es sollte den König verjüngen und seine Herrschaft erneuern. Dass Osorkon II. sein Tor über und über mit Darstellungen dieses Festes schmücken ließ, sagt viel über das Selbstbild der Herrscher dieser Zeit: Sie sahen sich als Könige, deren Macht regelmäßig erneuert werden musste, und sie hielten das in Stein fest.

Wer die Reliefs im Freilichtmuseum betrachtet, sollte nicht nach einer einzelnen großen Szene suchen. Das Tor war flächendeckend dekoriert, deshalb sind auch kleine Bruchstücke aussagekräftig. Achten Sie auf Figuren des Königs in Festkleidung und auf die Inschriften um ihn herum.

Was zeigt das Freilichtmuseum?

Die Grabungen in Tell Basta haben so viele Funde ans Licht gebracht, dass ein Teil der Stätte zum Freilichtmuseum wurde. Ein Meisterwerk ist der Kopf der Göttin Bastet in Löwinnengestalt aus schwarzem Granit. Dazu kommen Reste des monumentalen Tores von Osorkon II. und zahlreiche Steinfragmente mit Namen und Beinamen von Königen.

Ein Sandsteinblock zeigt eine Standarte mit menschlichen Armen, darüber das Ka-Zeichen in Form zweier erhobener Arme; im Inneren steht der Horusname eines Königs. Trotz der Bruchstücke ließ sich der Horusname von Nektanebos II. lesen, dem letzten König der 30. Dynastie. Außerdem stehen im Freilichtmuseum Gruppen von Königs- und Götterstatuen. Die bekannteste ist die Figur des Königs Ramses II. (etwa 1279 bis 1213 v. Chr.) aus rotem Granit, der zwischen der Göttin Hathor und dem Gott Ptah steht. In der Nähe liegen Säulenkapitelle aus griechisch-römischer Zeit im korinthischen Stil.

Was haben Amenemhat III. und Pepi I. mit Tell Basta zu tun?

Tell Basta ist mehr als der Bastet-Tempel. Erhalten sind die Pfeiler eines Tempels des Königs Pepi I. aus der 6. Dynastie (etwa 2289 bis 2255 v. Chr.) und ein großer Palast Amenemhats III. (etwa 1855 bis 1808 v. Chr.). Vom Palast ist die Rede als von einem kolossalen Bau, der gemeinsam von der Obersten Antikenverwaltung und der Universität Zagazig ausgegraben wurde: in den 1960er-Jahren unter Shafiq Farid, rund ein Jahrzehnt später unter Ahmed el-Sawi und in den späten 1970er- und 1980er-Jahren unter Mohammed Ibrahim Bakr.

Die Grabungsgeschichte reicht noch weiter zurück. Édouard Naville legte den Tempel der Bastet zwischen 1887 und 1889 frei, und Labib Habachi entdeckte 1939 den Tempel Pepis I. Die Stätte reicht damit von der 6. Dynastie bis in die Römerzeit.

Warum zieht der Römische Brunnen Besucher an?

Der Brunnen gehört zu den Stationen auf dem Weg der Heiligen Familie durch Ägypten. Nach den historischen Quellen tranken Maria, Josef und das Kind hier, als sie nach Bubastis kamen, und zwar am 24. Paschons des koptischen Kalenders, dem 1. Juni. Die koptische Gemeinde Ägyptens begeht diesen Tag bis heute jährlich.

Archäologisch ist der Brunnen jünger als die Pharaonenstätte um ihn herum. Die Universität Zagazig stieß 1991 bei Grabungen am Bastet-Tempel auf Hinweise auf ihn, die Entdeckung wurde 1997 offiziell bekanntgegeben. Der Brunnen zeigt römische Bauweise, und die Ausgräber fanden Keramikgefäße aus dem 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. Die Reise der Heiligen Familie ist in der Tradition der Kopten ein Pilgerweg; die Seite zum Koptischen Kairo beschreibt die Stationen in der Hauptstadt.

Was wurde in den letzten Jahren verbessert?

Das Ministerium eröffnete 2021 ein Entwicklungsprojekt für die Stätte. Tell Basta ist einer der östlichen Punkte auf dem Weg der Heiligen Familie und als erster Eintrittspunkt der Familie nach Ägypten. Der gesamte Pfad umfasst rund 25 Punkte auf einer Strecke von 3.500 Kilometern, von Rafah im Osten über das Delta, Großkairo und das Wadi Natrun bis nach Minia und Assiut.

Zu den Arbeiten gehörten Hinweistafeln auf dem Weg von Kairo und in Zagazig, Palmen im Umfeld der Ruinen, Informationstafeln zur Geschichte und zum Rundgang, Sonnenschutz mit Pergolen und Schirmen, erneuerte Toiletten, eine neue Mauer gegen Übergriffe auf das Gelände und eine technisch modernisierte Ausstellungshalle. Für Besucher heißt das: Die Stätte ist heute besser ausgeschildert und lesbarer als früher.

Wie planen Sie den Besuch?

Tell Basta liegt im Nildelta und gehört damit nicht zu den klassischen Zielen der Badeorte. Für Reisende, die in Kairo wohnen, ist es ein Ausflug in den Nordosten; für alle, die an der Küste sind, lohnt es sich eher als Teil einer Kairo-Reise. Die Stätte ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet (Stand: Oktober 2026). Das Ministerium führt für Fahrzeuge ein eigenes Ticket, was darauf hindeutet, dass viele Besucher mit Auto, Taxi oder Reisebus kommen.

Planen Sie etwa zwei bis drei Stunden ein. Tragen Sie Schuhe, die für unebenes Gelände geeignet sind, und nehmen Sie Sonnenschutz und Wasser mit; die Schattenplätze sind begrenzt. Wer mit einem Reiseleiter unterwegs ist, kann sich die Blöcke am Tempel deuten lassen, die ohne Erklärung schwer zu lesen sind. Für ein Vergleichsbild zu Stätten mit erhaltenem Tempeldach empfiehlt sich anschließend das Ägyptische Museum in Kairo.

Geheimtipp: Beginnen Sie im Freilichtmuseum, bevor Sie zum Tempel gehen. Dort liegen die Bauteile des Osorkon-Tors, das Sie draußen nur noch als verstreute Blöcke sehen. Mit den Reliefs im Kopf lassen sich die Trümmerfelder viel leichter lesen. Der Brunnen ist als kurzer Abstecher am Ende gut zu schaffen.
Mehr Götter, mehr Geschichte: Wer wissen will, wie Bastet neben Hathor, Ptah und den anderen Gottheiten steht, findet die Übersicht auf der Seite zu den ägyptischen Göttern. Den Delta-Ausflug lässt sich gut mit den koptischen Stätten in Kairo verbinden, denn auch dort geht es um die Reise der Heiligen Familie.

Häufige Fragen zu Tell Basta

Wo liegt Tell Basta?

Im östlichen Nildelta im Gouvernement Scharkia. Der antike Name lautet Per-Bastet oder griechisch Bubastis.

Was war Bubastis?

Der Kultort der Göttin Bastet, in der 22. Dynastie (etwa 945 bis 715 v. Chr.) sogar die Hauptstadt Ägyptens und im Neuen Reich Hauptstadt der 18. unterägyptischen Provinz.

Was ist der Römische Brunnen?

Ein Brunnen aus römischer Zeit, aus dem die Heilige Familie nach koptischer Überlieferung getrunken hat. Die Kopten feiern den Tag am 1. Juni.

Wann ist Tell Basta geöffnet?

Täglich von 9 bis 17 Uhr (Stand: Oktober 2026).

Wie lange dauert ein Besuch?

Etwa zwei bis drei Stunden mit Freilichtmuseum, Tempel und Brunnen.

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