Kurz erklärt: Tell el-Amarna liegt am Ostufer des Nils in der Provinz Minya, ungefähr auf halber Strecke zwischen Kairo und Luxor. Hier gründete König Echnaton im fünften Jahr seiner Regierung die Stadt Achetaton, den „Horizont des Aton“, und machte sie zur Hauptstadt. Nach seinem Tod wurde sie rasch verlassen. Erhalten sind die Grundrisse der Tempel und Paläste, 25 Felsgräber der Hofbeamten, das Königsgrab im Königswadi und 16 Grenzstelen, die das Stadtgebiet markieren.
Wo liegt Tell el-Amarna und warum ist der Ort besonders?
Tell el-Amarna ist der heutige Name der Ruinen von Achetaton, der Hauptstadt, die König Echnaton neu auf unberührtem Boden gründete. Der Ort liegt am Ostufer des Nils in der Provinz Minya, ungefähr auf halbem Weg zwischen Kairo und Luxor. In der Antike lag die Stadt damit zwischen Memphis im Norden und Theben im Süden, den beiden alten Machtzentren des Landes. Die Stadt selbst stand am Rand der Wüste, ihr Gebiet reichte aber über den Fluss: Auf dem Westufer gehörten Felder und Dörfer dazu, die die Bewohner versorgten.
Besonders ist der Ort, weil hier im Großen sichtbar wird, was an anderen Stätten verschwunden ist. Echnaton verehrte den Sonnengott Aton, dargestellt als Scheibe, deren Strahlen in Händen enden, und verdrängte die übrigen Götter, allen voran Amun von Theben. Dazu gab er seinen Geburtsnamen Amenhotep auf. Seine neue Hauptstadt hielt diese Religion in Stein und Lehmziegel fest. Sie wurde nach dem Tod des Königs bis auf einen Bereich am südlichen Ufer rasch verlassen und liegt heute als Grundriss im Sand. Wer durch die Ebene geht, sieht daher keine hohen Mauern, sondern Straßen, Fundamente und Tempelhöfe, die sich genau ablesen lassen. Mehr zu den Göttern des Landes erklärt die Seite Ägyptische Götter.
Wie entstand Achetaton, und warum wurde die Stadt verlassen?
Echnaton gründete die Stadt in seinem fünften Regierungsjahr. Er ließ ihre Grenzen in Felsentafeln meißeln, deren Texte er in seinem sechsten und achten Jahr bekräftigte. Echnaton starb in seinem siebzehnten Regierungsjahr, kurz danach tritt Semenchkare auf. Bald folgte Tutanchamun, der nach vielleicht zwei Jahren Achetaton verließ und von Memphis aus regierte. Den Kult des Aton gab man auf.
Bis auf ein Gebiet am südlichen Ufer wurde die Stadt rasch verlassen. Spätere Könige rissen Tempel und Paläste ab und nutzten die Steine anderswo; viele tausend Blöcke fuhr man über den Fluss nach Hermopolis, um dort einen Tempel zu bauen. Tutanchamun erscheint in den Amarna-Gräbern nie. Wer seine Eltern waren, ist bis heute nicht sicher; möglich ist, dass er ein Sohn Echnatons von einer Nebenfrau war. Seine Grabschätze zeigt das Große Ägyptische Museum.
Die Stadt hatte nach Schätzungen etwa 30.000 Einwohner, möglicherweise mehr. Hohe Beamte wohnten in großen Häusern mit Gärten, und die Wohnhäuser und Werkstätten der Künstler wurden ausgegraben. In einer dieser Werkstätten fand man die Quarzitstatue der Nofretete, die heute im Ägyptischen Museum in Kairo steht. Die Amarna-Kunst fällt auf, weil sie die Königsfamilie ungewöhnlich lebendig und familiär zeigt, mit schmalen Gesichtern und weichen Körperlinien. Wer die Kunstgeschichte vertiefen möchte, besucht das Ägyptische Museum in Kairo.
Was ist in der Zentralstadt und im Norden zu sehen?
Die Königsstraße ist die Hauptachse der Stadt. Die beiden Aton-Tempel und die Paläste waren an ihr ausgerichtet. Sie verlief von Norden her und entspricht dem Verlauf der heutigen Straße. Die Tempel des Aton hatten keine dunklen Räume wie die älteren Tempel, sondern offene Höfe mit Altären und Opfertischen unter freiem Himmel.

Der Große Aton-Tempel war von einer Ziegelmauer mit etwa 800 mal 300 Metern umgeben. Im Inneren stand ein steinernes Heiligtum von 48 mal 32 Metern, das ein Steinpylon teilte; man fand dort vermutlich mehr als 150 Opfertische. Daneben lag das „Haus der Fremdtribute“, ein quadratischer Ziegelbau mit vier Raumgruppen. Der Kleine Aton-Tempel mit einer Umfassung von 191 mal 111 Metern hatte drei Höfe, im ersten eine Plattform mit 106 Opfertischen aus Lehmziegeln.
Der Große Palast zog sich mindestens 580 Meter an der Westseite der Königsstraße entlang. Seine steinernen Staatsräume hatten einen Hof von rund 160 Metern im Quadrat. Die Krönungshalle misst 130 mal 135 Meter und besaß im Mittelteil 544 Ziegelpfeiler. Auf der anderen Straßenseite lag das Haus des Königs in einer Umfassung von 138 mal 120 Metern. Beide Bauten verband eine neun Meter breite Brücke, die auf zwei mächtigen Ziegelpfeilern über der Straße lag. Der Übergang verband die Staatsbauten mit dem Wohnhaus des Königs.
Im Archiv, dem „Büro für die Korrespondenz des Pharao“, fand man die meisten der Keilschrifttafeln, die als Amarna-Briefe bekannt sind. Es handelt sich vor allem um diplomatischen Briefwechsel zwischen dem ägyptischen Hof und Herrschern des Vorderen Orients. Ein benachbartes Gebäude trägt gestempelte Ziegel mit der Aufschrift „Haus des Lebens“ und war vermutlich ein Ort der Gelehrsamkeit.
Im Norden, zwischen der Nordvorstadt und der Nordstadt, steht der Nordpalast. Er blickt nach Westen zum Fluss. Ein Wandfries mit Sumpfszenen im „Grünen Raum“ und ein versenkter Gartenhof mit Beeten zeigen, wie die Königsfamilie wohnte. Der Palast wurde vermutlich für Nofretete oder Kija gebaut und später für Merit-Aton, die älteste Tochter und Thronerbin, umgebaut: Auf einem Türpfosten liegt ihr Name über einem älteren. Später richtete man die Vorratsräume im Südosten als Wohnhäuser ein.
Welche Felsgräber gibt es in Amarna?
In den Klippen im Osten schnitt man die Gräber der Hofbeamten. Sie bilden zwei Gruppen. Die Nordgräber umfassen sechs nummerierte, dekorierte Anlagen (Nr. 1 bis 6) und sind mit Eisentüren gesichert. Die Klippe steigt hier etwa 85 Meter hoch; ein Weg mit modernen Stufen und Bänken führt zu den Gräbern 3 bis 5.

Die Besitzer sind namentlich bekannt: Nr. 1 gehörte Huja, dem Vorsteher des königlichen Harems und der Schatzhäuser, Nr. 2 dem Schreiber Merire (II.), Nr. 3 dem Schreiber Ahmes, Nr. 4 Merire, dem Hohepriester des Aton, Nr. 5 Pentu, dem Obersten der Ärzte, und Nr. 6 Panehsi, dem obersten Diener des Aton. In Grab 4 sind Königstöchter auf Streitwagen dargestellt. Das Grab 6 baute man in der Spätantike zu einer Kirche mit Apsis um.
Die Südgräber, Nr. 7 bis 25, liegen auf einer niedrigen Hochfläche vor einer Lücke in den Klippen. Nr. 8 gehörte dem Kämmerer Tutu, Nr. 9 Mahu, dem Polizeichef von Achetaton, Nr. 11 dem Heerführer Ramose und Nr. 13 dem Bürgermeister der Stadt. Das Grab Nr. 25 gehörte Eje, dem „Gottesvater“, der später König wurde. Eine Reihe von Gräbern, darunter Nr. 16 mit einer fast fertigen Säulenhalle, blieb ohne Dekoration. Viele Anlagen wurden in späteren Zeiten wieder zur Bestattung benutzt.
Das Königsgrab (Nr. 26) liegt in einem Seitental des Königswadis, sechs Kilometer vom Eingang des Wadis entfernt. Es ähnelt den Königsgräbern im Tal der Könige bei Luxor, hat aber zusätzliche Grabkammern, weil es für mehrere Personen gedacht war: Echnaton, die Prinzessin Maketaton und vermutlich Königin Teje. Die meisten erhaltenen Reliefs liegen in den Räumen der Maketaton, darunter eine Szene, in der Echnaton und Nofretete den Aton anbeten. Ein Teil der Dekoration war in dünnen Gipsputz geschnitten und ist zerstört. Über 200 Uschebti des Königs sowie Bruchstücke von zwei Granitsarkophagen und einem Alabaster-Kanopenkasten befinden sich im Ägyptischen Museum in Kairo. Der Leichnam des Königs wurde nicht gefunden. Einheimische entdeckten das Grab in den 1880er-Jahren; es war schon in der Antike geplündert. Zum Vergleich mit den Gräbern bei Luxor passt die Seite Tal der Könige.
Wozu dienten die Grenzstelen von Achetaton?
Das Stadtgebiet war durch Felsstelen begrenzt, die man auf beiden Seiten des Nils in die Klippen schlug. Bisher sind 16 gefunden worden. Petrie verzeichnete 1891/92 vierzehn Stelen, später kamen X (1901) und H (2006) hinzu. Das Gebiet erstreckt sich 20 bis 25 Kilometer im Tal und rund 13 Kilometer von Süden nach Norden. Jede Stele ist ein Rechteck mit gerundetem Oberteil, dessen Text in waagerechten Hieroglyphenzeilen steht; oben beten Echnaton und seine Familie zum Aton, und vor den meisten standen Statuen des Königspaars und der Töchter.
Zwei Verkündigungen sind überliefert. Die erste stammt aus dem fünften Jahr und steht auf den Stelen K, M und X: Der Ort ist auf Rat des Aton gewählt, die Stadt darf die südlichen und nördlichen Stelen nicht überschreiten, und im östlichen Gebirge werden Gräber für Echnaton, Nofretete und Meritaton angelegt, ebenso für den Mnevis-Stier, Priester und Beamte. Stirbt ein Mitglied der Königsfamilie anderswo, wird es in Achetaton bestattet. Die zweite Verkündigung aus dem sechsten Jahr, im achten Jahr bestätigt, legt die Grenzen endgültig fest und weiht das Land dem Aton.
Erhalten sind die Stelen unterschiedlich. Stele P sprengten Schatzsucher mit Schießpulver, Stele S wurde 2004 mit Sprengstoff herausgebrochen, und von Stele R kaufte der Louvre in den 1940er-Jahren Stücke. Besichtigen lässt sich vor allem die Stele U, die 7,6 Meter hoch ist und nördlich vom Eingang des Königswadis liegt. Stele A mit ihren Statuen ist vom Ostufer über den Fluss hinweg von der Seite von Tuna el-Gebel zu sehen. Hieroglyphen lesen können Sie mit der Seite Hieroglyphen besser einordnen.
Wie kommt man nach Tell el-Amarna und wie läuft der Besuch?
Amarna liegt am Ostufer, gegenüber von Deir Mawas. Die meisten Besucher fahren von Kairo über die Wüstenstraße und biegen bei Mallawi ab; sie betreten das Gebiet durch die antike Nordstadt. Von Süden kommend erreicht man das Gebiet bei den Südgräbern. Vom Westufer führt eine Brücke zwischen Deir Mawas und Mallawi über den Nil, daneben gibt es eine Fähre. Zug und Bus fahren nach Mallawi oder Deir Mawas, von dort braucht man einen Wagen mit Fahrer, den man für den ganzen Tag behält, denn das Gelände ist zu weitläufig für einen Fußmarsch. Entfernungen: Minya 60 km, Asyut 75 km, Kairo 310 km, Luxor 400 km. Amarna ist außerdem Stopp mancher Nilkreuzfahrten, siehe Nilkreuzfahrt.
Das Gelände ist täglich von 8 bis 16 Uhr geöffnet (Stand: November 2026); an Feiertagen können die Zeiten abweichen. Eintrittskarten für die Hauptmonumente verkauft das Kassenhaus an der Straße zu den Nordgräbern. Das Besucherzentrum in El-Till öffnet ebenfalls täglich von 8 bis 16 Uhr. Die Anlage ist so weitläufig, dass sich ein früher Start lohnt. An einem Tag besuchen Sie Nordpalast, Kleinen Aton-Tempel, Nordgräber, Stele U und Königsgrab; ein zweiter Tag ergänzt die Südgräber und Kom el-Nana. Nicht zugänglich sind das Arbeiterdorf, das Steindorf und die Friedhöfe der einfachen Bevölkerung (Stand: November 2026).
Praktisch: Am Rastplatz gegenüber dem Kassenhaus gibt es Getränke und Toiletten, im Dorf El-Till kleine Läden. Hotels am Gelände gibt es nicht; Quartier finden Sie in Minya (rund 1,5 Stunden nördlich), Asyut (rund 1,5 Stunden südlich) oder Mallawi (etwa 20 Minuten). Die Nordgräber und die Stele U erreichen Sie nur über hohe Treppen, das Königsgrab über eine Treppe und eine Rampe mit Handlauf; für Gäste mit eingeschränkter Mobilität ist das Gelände daher schwierig. Tragen Sie festes Schuhwerk, Hut, Sonnenschutz und nehmen Sie genug Wasser mit. Die beste Reisezeit für Mittelägypten ist der Winter, mehr dazu auf der Seite Reisekalender. Aktuelle Hinweise zur Reise nach Mittelägypten finden Sie bei den Seiten Sicherheit und Einreise und Visum.
Welche weiteren Orte passen zu einer Reise nach Mittelägypten?
Mittelägypten wird oft übersprungen, dabei liegen hier Stätten aus fast allen Epochen eng beieinander. Die Felsgräber von Beni Hassan gehören ins Mittlere Reich und zeigen Ringkämpfe und Alltagsszenen. Der Tempel des Sethos I. in Abydos liegt weiter südlich. Für die Frühzeit des Landes lohnt Sakkara und Dahschur bei Kairo, für die Zeit des Neuen Reiches Karnak bei Luxor. Wer sehen will, wogegen Echnaton antrat, besucht dort den Tempel des Amun und versteht den Bruch besser. Die Reihe der Herrscher beschreibt die Seite Pharaonen.
Häufige Fragen zu Tell el-Amarna
Was bedeutet Achetaton?
„Horizont des Aton“. So hieß die Hauptstadt, die König Echnaton für den Sonnengott Aton gründete. Der heutige Name Tell el-Amarna ist neuzeitlich.
Wo liegt Tell el-Amarna?
Am Ostufer des Nils in der Provinz Minya, rund 60 Kilometer südlich von Minya und 75 Kilometer nördlich von Asyut, etwa auf halbem Weg zwischen Kairo und Luxor.
Wie lange war die Stadt bewohnt?
Nur kurz. Echnaton gründete sie in seinem fünften Regierungsjahr und starb im siebzehnten; unter Tutanchamun wurde sie bis auf einen Bereich am südlichen Ufer rasch verlassen.
Wie viele Grenzstelen gibt es?
16 sind bisher gefunden. Sie wurden auf beiden Seiten des Nils in die Klippen gehauen und zeigen die Grenzen des Stadtgebiets.
Wie viele Felsgräber gibt es in Amarna?
Sechs Nordgräber (Nr. 1 bis 6), 19 Südgräber (Nr. 7 bis 25) und das Königsgrab (Nr. 26) im Königswadi.
Welche Teile von Amarna kann man besuchen?
Nordpalast, Kleiner Aton-Tempel, Nordgräber, Grenzstele U und Königsgrab an einem Tag; Südgräber und Kom el-Nana an einem zweiten. Arbeiterdorf und Steindorf sind nicht zugänglich.
Wann ist Tell el-Amarna geöffnet?
Täglich von 8 bis 16 Uhr (Stand: November 2026); an Feiertagen können die Zeiten abweichen.
