Shark Reef & Yolanda Reef im Ras-Mohammed-Nationalpark

Von der Aegypten.de-Redaktion Aktualisiert: Juni 2026 10 Min. Lesezeit
Shark Reef & Yolanda Reef im Ras-Mohammed-Nationalpark

Kurz erklärt: Shark Reef und Yolanda Reef sind zwei verbundene Tafelriffe an der Südspitze von Ras Mohammed bei Sharm el-Sheikh. Die senkrechten Steilwände, große Fischschwärme und die berühmte Ladung des Frachters Jolanda machen den Drift-Tauchgang zu einem der spektakulärsten Reviere des Roten Meeres – ein Ziel für erfahrene Taucher.

Von der Aegypten.de-Redaktion · Stand: Juni 2026

Wo liegt Shark Reef & Yolanda Reef und wie kommst du hin?

Shark Reef und Yolanda Reef liegen an der äußersten Südspitze der Sinai-Halbinsel, im Ras-Mohammed-Nationalpark, rund eine halbe Bootsstunde von Sharm el-Sheikh entfernt. Die beiden Riffe erreichst du fast ausschließlich per Tauchboot im Rahmen eines Tagesausflugs ab den Marinas von Sharm el-Sheikh.

Vom Flughafen Sharm el-Sheikh bist du in etwa 30 bis 40 Minuten an der Küste. Die Tauchbasen organisieren von dort Bootstouren, die früh morgens ablegen und meist zwei bis drei Tauchgänge umfassen. Ein Landzugang in den Nationalpark ist zwar möglich, doch die berühmten Steilwände von Shark Reef und Yolanda Reef lassen sich praktisch nur vom Boot aus betauchen. Für die Einfahrt in den Park wird vielerorts eine Tagesgebühr fällig, die in der Regel über den Veranstalter abgerechnet wird. Wer mehr über das gesamte Schutzgebiet wissen möchte, findet im Überblick zum Tauchgebiet Ras Mohammed weitere Hintergründe.

Was macht das Riff von Shark Reef & Yolanda Reef aus?

Das Besondere sind zwei Tafelberge, die wie Säulen aus der Tiefe aufragen und durch ein flacheres Plateau verbunden sind. Charakteristisch sind die nahezu senkrecht abfallenden Steilwände, die teils mehrere Hundert Meter ins Blau hinabreichen – eine dramatische Unterwassertopografie, wie sie nur wenige Spots Ägyptens bieten.

Shark Reef bildet die östliche, exponierte Wand, an der nährstoffreiches Strömungswasser vorbeizieht; Yolanda Reef schließt westlich an und ist nach dem Frachter „Jolanda“ benannt, der hier Anfang der 1980er-Jahre havarierte. Ein Teil seiner Ladung – darunter bekanntlich Sanitärkeramik wie Toiletten und Badewannen – liegt bis heute am sandigen Grund und ist zum kuriosen Markenzeichen des Spots geworden. Das Schiff selbst rutschte später in größere Tiefe ab. Die Außenwände sind dicht mit Weichkorallen, Gorgonien und Feuerkorallen bewachsen, während das verbindende Plateau als Sammelpunkt dient, bevor es entlang der Wände weitergeht.

Was bekommst du unter Wasser zu sehen?

Shark Reef und Yolanda Reef gehören zu den fischreichsten Plätzen des Roten Meeres. Mit etwas Glück erlebst du dichte Schwärme von Schnappern, Füsilieren und Barrakudas, die sich in der Strömung über dem Plateau formieren, sowie große Räuber wie Thunfische, die an den Steilwänden vorbeiziehen.

Die Korallenpracht ist außergewöhnlich: Weichkorallen in Rot, Orange und Violett überziehen die Wände, dazwischen tummeln sich Anemonenfische, Drückerfische und unzählige Rifffische. Meeresschildkröten zeigen sich regelmäßig, und in den tieferen Bereichen patrouillieren manchmal Großfische im freien Blauwasser. In den Sommermonaten kommt es phasenweise zu spektakulären Laichansammlungen von Schnappern und Barschen. Am Yolanda-Bereich sorgt die verstreute Fracht für ungewöhnliche Fotomotive. Garantieren lässt sich nichts – das Rote Meer bleibt ein wildes Ökosystem –, doch nur wenige Reviere bündeln so viel Leben auf so engem Raum.

Wie anspruchsvoll ist der Tauchgang?

Shark Reef und Yolanda Reef sind kein Anfängerrevier. Teils kräftige Strömungen, die großen Tiefen direkt an den Wänden und die Notwendigkeit, das eigene Tarieren sicher zu beherrschen, machen die Doppelriffe zu einem Ziel für erfahrene Taucher mit gültigem Brevet und etwas Drift-Erfahrung.

Die Strömung kann von ruhig bis fordernd wechseln und sich innerhalb eines Tauchgangs ändern. An den Steilwänden ist exaktes Tarieren entscheidend, um nicht ungewollt abzusinken oder empfindliche Korallen zu berühren. Wer schon Drift-Tauchgänge absolviert hat, fühlt sich hier deutlich wohler. Für weniger Geübte bieten viele Basen geführte Gruppen mit ortskundigen Guides an, die den Einstiegspunkt je nach Bedingungen wählen. Eine ehrliche Selbsteinschätzung und eine konservative Tauchplanung sind an diesem Spot wichtiger als anderswo – die Tiefe verleitet leicht zu langen, anstrengenden Profilen.

Wie läuft ein typischer Tauchgang ab?

Ein typischer Tauchgang beginnt mit einem Negativeinstieg oder dem Abtauchen an der Bojenleine, gefolgt von einer Drift entlang der Außenwand von Shark Reef hinüber zu Yolanda Reef. Du tauchst zunächst tiefer an der Wand und arbeitest dich im Verlauf flacher zum Plateau hinauf.

Der Ablauf richtet sich nach der Strömung: Das Guide-Team entscheidet vor Ort, ob entlang der Wand oder über das Plateau getaucht wird. Häufig startet die Gruppe an der Spitze von Shark Reef, lässt sich an der Steilwand treiben und hält im Blauwasser nach Großfisch Ausschau, bevor es zum Yolanda-Bereich mit der verstreuten Fracht geht. Den Abschluss bildet meist ein flacherer Teil über dem Riffdach, wo der obligatorische Sicherheitsstopp eingelegt wird. Wegen Tiefe und Strömung wird konservativ geplant – Grundzeit und Restdruck im Auge zu behalten, hat hier oberste Priorität. Ein gut sichtbares Boot-Briefing zu Strömungsrichtung und Sammelpunkt gehört dazu.

Wann ist die beste Reisezeit für Shark Reef & Yolanda Reef?

Betauchen lässt sich das Doppelriff ganzjährig, doch die besten Bedingungen herrschen meist im Frühjahr und Herbst. Dann sind die Wassertemperaturen angenehm, die Sicht oft hervorragend und die See ruhiger als im Hochsommer. Die größten Fischansammlungen fallen dagegen in die Sommermonate.

Im Winter sinkt die Wassertemperatur spürbar ab, sodass ein dickerer Neoprenanzug ratsam ist; dafür ist die Sicht häufig glasklar. Der Sommer bringt warmes Wasser und die spektakulären Laichschwärme, aber auch mehr Hitze an Land und gelegentlich stärkere Strömungen. Frühling und Herbst gelten als komfortabler Kompromiss aus mildem Klima, guter Sicht und überschaubarem Andrang. Wer flexibel ist, meidet die absoluten Hochsaison-Wochen, um die Riffe weniger überlaufen zu erleben. Die genauen Bedingungen schwanken von Tag zu Tag – die Tauchbasis vor Ort kennt die aktuelle Lage am besten.

Von wo aus kannst du Shark Reef & Yolanda Reef betauchen?

Ausgangspunkt ist fast immer Sharm el-Sheikh. Von den dortigen Marinas starten die Tagestouren per Tauchboot, die die Doppelriffe innerhalb einer kurzen Bootsfahrt erreichen. Auch ab Dahab oder Nuweiba werden Touren angeboten, allerdings mit deutlich längerer Anfahrt.

Die meisten Taucher buchen über eine Tauchbasis in Sharm el-Sheikh, die Equipment, Guide und Bootslogistik bündelt. Tagestouren kombinieren oft zwei oder drei Spots im Schutzgebiet, sodass neben Shark & Yolanda Reef auch Plätze wie die Anemone City oder Jackfish Alley angefahren werden – Letzteres findest du im eigenen Beitrag zu Jackfish Alley ausführlich beschrieben. Tauchsafaris (Liveaboards) auf der nördlichen Rote-Meer-Route legen ebenfalls am Ras Mohammed an. Für einen ersten Besuch ist die Tagestour ab Sharm der unkomplizierteste Weg.

Was gilt beim Naturschutz?

Das Doppelriff liegt im Ras-Mohammed-Nationalpark – Naturschutz hat hier oberste Priorität. Es gilt: nichts anfassen, nichts mitnehmen, nichts hinterlassen. Korallen sind extrem empfindlich; schon eine Flossenberührung kann jahrzehntealtes Wachstum zerstören. Achte auf neutrale Tarierung und ausreichend Abstand zum Riff.

Das Schutzgebiet steht unter strenger Aufsicht, Ankern an den Riffen ist verboten, und Bootscrews nutzen feste Festmacherbojen. Über die Arbeit zum Schutz der fragilen Riffe im Roten Meer informiert etwa die Umweltschutzorganisation HEPCA, die sich seit Jahrzehnten für nachhaltigen Tauchtourismus und Riffschutz einsetzt. Verzichte auf Sonnencremes mit riffschädlichen Inhaltsstoffen, füttere keine Fische und halte die Park-Regeln strikt ein. Auch die verstreute Jolanda-Fracht ist Teil des Spots und kein Souvenirlager – sie bleibt unberührt am Grund. Nur so bleibt dieses außergewöhnliche Revier auch für kommende Generationen lebendig.

Welche Tipps solltest du beachten?

Wichtigster Tipp: Tauche im Rahmen deiner Erfahrung und plane konservativ. Wegen Tiefe und Strömung lohnt es sich, mit einer etablierten Basis und einem ortskundigen Guide zu tauchen, der die Bedingungen vor Ort einschätzt. Eine gute Grundkondition und ein wachsames Luftmanagement gehören zwingend dazu.

Nimm eine Signalboje und einen Tauchcomputer mit, denn an den Steilwänden ist die Eigenverantwortung hoch. Plane Reserven für die mögliche Drift ein und besprich das Notfallprozedere mit dem Guide. Wer empfindlich auf Seegang reagiert, sollte an windigen Tagen Vorsorge treffen. Vor und nach dem Tauchen gilt: ausreichend trinken, in der Sonne schützen und die Flugverbotszeiten beachten. Informiere dich vor der Reise über die aktuellen Sicherheits- und Reisehinweise. Und schließlich – nimm dir Zeit, das Schauspiel im Blauwasser bewusst zu genießen.

Du planst deinen Tauchurlaub rund um Sharm El-Sheikh? In unserem Reiseführer zu Sharm El-Sheikh findest du Hotels, Orte und Angebote für die Region.

Weitere Tauchreviere und Reisetipps findest du in unseren Ratgebern zu Tauchen im Roten Meer und beste Reisezeit für Ägypten.

Häufige Fragen zu Shark Reef & Yolanda Reef im Ras-Mohammed-Nationalpark

Warum liegen am Yolanda Reef Toiletten und Badewannen am Grund?

Die Sanitärkeramik stammt aus der Ladung des Frachters „Jolanda“, der hier Anfang der 1980er-Jahre havarierte. Während das Schiff später in größere Tiefe abrutschte, blieb ein Teil der Fracht auf dem Plateau liegen. Heute zählt das verstreute Sanitärgeschirr zu den bekanntesten Fotomotiven des Spots.

Kann man Shark Reef und Yolanda Reef in einem Tauchgang verbinden?

Ja, das ist die klassische Variante. Viele Tauchgänge starten an der Steilwand von Shark Reef und driften dann über das verbindende Plateau zum Yolanda-Bereich. Ob das gelingt, hängt von Strömung und Tauchplanung ab; der Guide entscheidet vor Ort über die passende Route.

Sieht man am Shark Reef tatsächlich Haie?

Der Name verweist eher auf das wilde, fischreiche Revier als auf eine Hai-Garantie. Größere Räuber wie Thunfische und gelegentlich Riffhaie können im Blauwasser auftauchen, vor allem in der Sommersaison. Sichtungen sind aber nie garantiert und bleiben ein Glücksfall.

Ist eine Tauchsafari oder eine Tagestour ab Sharm besser?

Für einen ersten Besuch ist die Tagestour ab Sharm el-Sheikh der unkomplizierteste Weg und gut organisierbar. Eine Tauchsafari lohnt sich, wenn du das Doppelriff mit weiteren nördlichen Klassikern wie der Thistlegorm kombinieren und früh vor den Tagesbooten am Spot sein möchtest.